Politik : Afghanistan: Ministerpräsident Karsai kommt nach Berlin

In Afghanistan ist am Dienstagabend ein US-Militärflugzeug abgestürzt. Von den acht Besatzungsmitgliedern der MC-130P sei niemand getötet oder lebensgefährlich verletzt worden, teilte das zuständige Central Command mit. Die Absturzursache war den Angaben zufolge unklar. Ein Abschuss sei aber unwahrscheinlich, hieß es. Der genaue Absturzort wurde nicht bekannt gegeben.

Die afghanischen Behörden verhandeln mit einer Gruppe von 15 Taliban-Führern über deren Aufgabe. Unter ihnen befindet sich nach Angaben eines Sprechers des Gouverneurs von Kandahar, Gul Agha, möglicherweise auch ein ehemaliger Minister. Falls die Taliban-Führer sich stellen, könnten sie wichtige Informationen über den Verbleib des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Ladens und des ehemaligen Taliban-Chefs Mullah Omar liefern.

Iran wird von der afghanischen Provinzregierung in Kandahar beschuldigt, Kämpfern der Taliban und der Al Qaida Unterschlupf zu gewähren. Es gebe Berichte über die Einrichtung von Lagern auf iranischer Seite, sagte ein Berater von Gul Agha.

Chalid Paschtun sagte: "Wir haben Berichte erhalten, dass besondere Lager aufgebaut wurden." So etwa in Nusratabat rund 30 Kilometer westlich der Stadt Sahedan, die im Grenzdreieck zu Afghanistan und Pakistan liegt. Die iranische Regierung hat vehement bestritten, sich in die inneren Angelegenheiten des Nachbarlandes einzumischen und die Stellung der neuen, an den USA orientierten Übergangsregierung untergraben zu wollen.

Unter der Führung Deutschlands sollen die Polizei in Afghanistan wiederaufgebaut und der Drogenanbau bekämpft werden. Die Bundesregierung richtete am Mittwoch in Berlin eine Konferenz mit Vertretern aus 28 Geberländern und elf Organisationen aus, um die internationale Unterstützung zu koordinieren. Als Soforthilfe sagte Berlin die Lieferung von 40 Polizeifahrzeugen für Kabul zu. Außerdem wurde eine Summe von zehn Millionen Euro bereitgestellt. Der afghanische Ministerpräsident Hamid Karsai wird nach Regierungsangaben am kommenden Sonntag Deutschland besuchen.

Die internationale Hilfe bleibt zunächst auf Kabul begrenzt. Sie soll aber nach Angaben des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, auf andere Städte und Provinzen ausgeweitet werden, um den ethnischen Zusammenhalt der Bevölkerung und den Einfluss der Übergangsregierung auch außerhalb Kabuls zu stärken.

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