Politik : Afghanistan: Nach dem Fall Kabuls: Taliban rufen zum Durchhalten auf

Der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar hat seine Milizen aufgefordert, sich den Oppositionstruppen entgegenzustellen und zu kämpfen. "Ich befehle euch, euren Kommandeuren bedingungslos zu folgen", erklärte Mullah Omar am Dienstag nach dem Abzug der Taliban aus der afghanischen Hauptstadt Kabul in einer Funkansprache. Die Nordallianz eroberte nach eigenen Angaben am Dienstag fünf weitere Provinzen, darunter auch die strategisch wichtige Stadt Dschalalabad. Der geistliche Taliban-Führer dementierte Gerüchte, er sei nach Pakistan geflohen. Er halte sich weiterhin in seiner südlichen Hochburg Kandahar auf, betonte er. Zum Verbleib des Taliban-Führers hatte es zuvor widersprüchliche Angaben gegeben.

Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen
Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus
Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Der britische Premierminister Tony Blair forderte angesichts der Flucht der Taliban aus Kabul eine UN-Präsenz in Afghanistan. Der pakistanische Präsident und Militärmachthaber Musharraf sagte, Kabul müsse eine entmilitarisierte Zone bleiben. Zu einer Friedensmission in Afghanistan könnten die Türkei und Pakistan einen wichtigen Beitrag leisten, fügte er an. Etliche Regierungen und UN-Vertreter riefen die Nordallianz, die am Dienstag in Kabul einzog, zur Mäßigung und Gewaltlosigkeit auf. Die Welt werde Racheakte und Misshandlungen der Zivilbevölkerung nicht tolerieren, warnte die Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen, Mary Robinson.

Unklare Meldungen gab es zum Schicksal der acht Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now. Nach Angaben eines Vaters einer der Inhaftierten nahmen die Taliban-Truppen die acht deutschen, amerikanischen und australischen Entwicklungshelfer bei ihrem Abzug aus Kabul mit nach Kandahar. Dies habe er in der Taliban-Botschaft in Islamabad erfahren. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte die Verlegung der Häftlinge indes nicht bestätigen. "Wir können es aber auch nicht ausschließen", sagte ein Sprecher. "Wir bemühen uns, über diverse Kontakte Klarheit zu bekommen." Einem westlichen Diplomaten zufolge wurden die Helferinnen und Helfer schon vor der Flucht der Taliban vor der anrückenden Nordallianz an immer neue Orte in Kabul gebracht - möglicherweise, um einen Befreiungsversuch zu vereiteln.

Die spanische Polizei nahm unterdessen zehn militante Islamisten wegen Kontakten zum Al-Qaida-Netzwerk des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden fest.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben