Afghanistan : NATO-Soldaten getötet

Drei NATO-Soldaten starben am Montag in Afghanistan. Seit der Koran-Verbrennung im Februar haben die Angriffe zugenommen.

In Afghanistan sind am Montag drei NATO-Soldaten von Angehörigen der afghanischen Sicherheitskräfte getötet worden. In einem NATO-Stützpunkt im Süden des Landes erschoss ein afghanischer Soldat zwei britische Soldaten. Ein dritter Soldat wurde nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF von einem mutmaßlichen afghanischen Mitglied einer Dorfmiliz getötet, als er sich einem Kontrollpunkt näherte. Weitere Details zu diesem Zwischenfall lagen zunächst nicht vor, auch Angaben über den Ort wurden zunächst nicht gemacht. ISAF und afghanische Behörden hätten Ermittlungen aufgenommen, hieß es.

Bei dem Zwischenfall in dem NATO-Stützpunkt in Helmand hätten NATO-Soldaten den Angreifer erschossen, teilte NATO-Sprecher Jason Waggoner mit. Taliban-Sprecher Kari Jussef Ahmadi sagte, der Schütze habe in engem Kontakt zu den Extremisten gestanden. Er habe die Taliban im Voraus über seine geplante Tat informiert.

Aus diplomatischen Kreisen verlautete, der Zwischenfall habe sich auf dem NATO-Stützpunkt in Laschkar Gah ereignet. Dort sind mehrheitlich britische Soldaten stationiert. Details wurden zunächst nicht mitgeteilt. Der stellvertretende Kommandeur der afghanischen Streitkräfte in Helmand, Ghulam Faruk Parwani, erklärte, der Schütze gehöre seit vier Jahren den Truppen an. Er sei in einem Militärfahrzeug vorgefahren und habe sich den ausländischen Soldaten bis auf wenige Meter genähert. Dann habe er geschossen.

Merkel-Besuch in Afghanistan
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Kurzbesuch in Afghanistan. Merkel hatte zuletzt am 18. Dezember 2010 Afghanistan besucht. Zuvor war sie 2007 und 2009 in dem Land.Weitere Bilder anzeigen
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12.03.2012 08:33Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Kurzbesuch in Afghanistan. Merkel hatte zuletzt am 18. Dezember 2010 Afghanistan besucht....

Angriffe auf NATO-Soldaten haben seit der Verbrennung von Koran-Schriften auf einem US-Stützpunkt im Februar zugenommen. Seitdem wurden sechs US-Soldaten bei mutmaßlichen Racheangriffen getötet. Bei Unruhen kamen Dutzende Afghanen ums Leben.

Der Oberkommandierende der NATO-Streitkräfte in Afghanistan, John Allen sagte am Montag im Pentagon, mit derartigen Angriffen müsse man bei der Bekämpfung von Aufständen rechen. „Wir haben das im Irak erlebt. Wir haben das in Vietnam erlebt“, sagte Allen. „Jedes Mal, wenn man mit Aufständischen zu tun hat und wenn man einheimische Truppen aufbaut, wird der Feind alles in seiner Macht Stehende tun, um sowohl die "Aufstandsbekämpfung“ wie auch die Ausbildung der Sicherheitskräfte zu stören, erklärte er.

Angriffe von Tätern, die Uniformen afghanischer Sicherheitskräfte tragen, sind kein neues Phänomen. Seit 2007 wurden bei derartigen Zwischenfällen mehr als 75 Mitglieder der NATO-Streitkräfte getötet und mehr als 110 verwundet, heißt es in einer Statistik des US-Verteidigungsministeriums. Mehr als drei Viertel der Angriffe erfolgten in den vergangenen zwei Jahren.

Vor zwei Wochen hatte ein US-Soldat in der südafghanischen Provinz Kandahar 17 Zivilpersonen erschossen und damit die Spannungen weiter verschärft. Der mutmaßliche Täter wurde aus Afghanistan ausgeflogen und soll sich vor einem amerikanischen Militärgericht verantworten. (dapd)

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