Afghanistan : Nato übernimmt Kommandogewalt

Die Internationale Schutztruppe (Isaf) hat die Kontrolle über den Osten Afghanistans übernommen. Ihren Kommandobereich dehnt die Nato damit auf das ganze Land aus. Der Truppe unterstehen rund 31.000 Soldaten.

Kabul - Der Befehlshaber der US-geführten Koalition, General Karl Eikenberry, übergab im Isaf-Hauptquartier in Kabul das Ost-Kommando an den britischen Nato-General David Richards. Fast genau fünf Jahre nach dem Angriff der US-geführten Koalitionstruppen auf die radikalislamische Taliban-Regierung ging damit auch der letzte Teil des Landes, der noch von der Koalition kontrolliert wurde, an die ISAF über. Rund 8000 Soldaten unter US-Kommando bleiben aber im Zuge des Anti-Terror-Einsatzes "Enduring Freedom" im Land.

Die Isaf werde nun landesweit helfen, gegen Aufständische vorzugehen, wann und wo auch immer dies notwendig sei, sagte Richards bei der Kommandoübergabe, an der auch der afghanische Präsident Hamid Karsai teilnahm. Hauptaufgabe der Schutztruppe sei es aber, die afghanische Regierung zu unterstützen und beim Wiederaufbau und bei der Entwicklung des Landes zu helfen. Unter seinen Befehl kamen rund 10.000 überwiegend amerikanische Soldaten, die bisher unter US-Kommando im Zuge von "Enduring Freedom" in Afghanistan stationiert waren. Insgesamt umfasst Isaf damit rund 31.000 Soldaten, die von 37 Staaten gestellt werden, darunter auch rund 2800 Bundeswehrsoldaten in Kabul und im Norden.

Afghanistan, "Opfer von Terroristen"

"In Afghanistan kann es keine Entwicklung ohne Sicherheit geben, und es wird keine langfristige Sicherheit ohne Entwicklung geben", sagte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bei der Kommandoübergabe in Kabul. Präsident Karsai sagte, Afghanistan sei noch immer "Opfer von Terroristen", die von außerhalb kämen. "Wir hoffen dass alle Länder - islamisch und nicht-islamisch - Hand in Hand den Terrorismus bekämpfen, der ein Feind der Humanität ist."

Die im Herbst 2001 mit UN-Mandat eingerichtete internationale Schutztruppe war zunächst im halbjährlichen Wechsel von einzelnen Ländern geführt worden. Nach Großbritannien und der Türkei leiteten Deutschland und die Niederlande die Isaf gemeinsam ab Frühjahr 2003, bevor die Nato das Kommando im August 2003 übernahm. Nach dem Start der Mission in der Hauptstadt-Region von Kabul wurde das Einsatzgebiet schrittweise im Herbst 2004 auf den Norden, dann im September 2005 auf den Westen und Ende Juli dieses Jahres auf den Süden ausgedehnt.

Vor allem im Süden Afghanistans ist die Sicherheitslage prekär. Bisher starben dort 32 Nato-Soldaten. Aber auch der Einsatz im Osten, wo es immer noch mehrere Taliban-Stützpunkte gibt, gilt als gefährlich. Es ist die Region, in der das Terrornetzwerks El Kaida seinen Ursprung nahm und wo sich möglicherweise auch dessen Chef Osama bin Laden verstecken könnte. (tso/AFP)

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