Afghanistan : Obama sieht erste Erfolge im Kampf gegen Taliban

Der US-Präsident sieht die Lage in Afghanistan zwiespältig: Zwar hätte man die Islamisten zurückgedrängt, doch für die Alliierten bestehe noch kein Grund zum Jubel.

KabulDie USA und ihre Verbündeten haben nach Worten von US-Präsident Barack Obama im Afghanistan-Konflikt noch "einen langen Weg" vor sich – und das trotz einiger militärischer Erfolge im Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban. Die westlichen Allierten dürften sich auf diesen kurzfristigen Erfolgen nicht ausruhen, sondern müssten sich nun darauf konzentrieren, die afghanischen Sicherheitskräfte zu stärken. Dies sagte er nach seinem Besuch in Ghana dem britischen Fernsehsender Sky News.

Obama forderte die Nato-Koalition auf, ihre Aufmerksamkeit nach den afghanischen Präsidentenwahlen im August darauf zu richten, "wie wir eine afghanische Armee, eine afghanische Polizei schaffen". Möglicherweise müsse beim Aufbau des Landes mehr getan werden.

Als vorrangig bezeichnete er zudem die Verbindung militärischer Anstrengungen mit erfolgreicher Diplomatie und Entwicklungspolitik. Die Afghanen müssten spüren, dass sie einen größeren Anteil und mehr Möglichkeiten hätten, für die Sicherheit ihres eigenen Landes zu sorgen. "Es mag nicht auf der militärischen Seite sein, sondern könnte auf der Seite der Entwicklung sein, indem afghanischen Bauern Alternativen zum Mohnanbau angeboten werden". Ferner sollte sichergestellt werden, dass wir erfolgreich beim Aufbau eines Rechtssystems und eines Rechtsstaates, dem die Menschen vertrauen, Hilfestellung leisten.

Vor dem Hintergrund der schweren britischen Verluste während des Afghanistan-Einsatzes lobte Obama die "außerordentliche Rolle", die Großbritannien am Hindukusch einnähme. Er sei in Gedanken bei den Familien der acht britischen Soldaten, die in den vergangenen Tagen getötet worden seien. Am Donnerstag waren am Hindukusch zwei britische Soldaten umgekommen, am Freitag starben sechs weitere bei dem folgenschwersten Anschlag auf die britischen Truppen seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001. Britische und US-Soldaten liefern sich derzeit im Süden des Landes heftige Kämpfe mit den Taliban.

Großbritanniens Finanzminister Alistair Darling versprach indes, die britischen Soldaten in Afghanistan würden mit allen nötigen Ausrüstungsgegenständen versorgt werden. Man könne nicht Soldaten an die Front schicken, ohne diese mit den erforderlichen Hilfsmitteln auszustatten, sagte Darling in einem BBC-Interview. Kritiker werfen der Regierung von Premierminister Gordon Brown vor, zu wenige Soldaten nach Afghanistan zu schicken und die 9000 derzeit am Hindukusch stationierten britischen Soldaten nur unzureichend auszurüsten.

ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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