Afghanistan : Opium-Anbaugebiete drastisch ausgeweitet

In Afghanistan wird soviel Schlafmohn angebaut wie nie zuvor. Zwischen 2005 und 2006 wuchs die Opium-Anbaufläche um fast zwei Drittel, lautet das Ergebnis des UN-Drogenberichtes.

GenfDie Drogenclans in Afghanistan haben ihre Anbaugebiete laut Vereinten Nationen so stark ausgeweitet wie nie zuvor. Die Schlafmohngebiete erstreckten sich nun auf einer Fläche von 1650 Quadratkilometern - das entspricht der Fläche von Hamburg und
Berlin zusammen, wie aus dem UN-Jahres-Drogenbericht hervorgeht. Die Schlafmohn-Anbaugebiete seien zwischen 2005 und 2006 in Afghanistan um fast 60 Prozent ausgeweitet worden und hätten die größte Ausdehnung erreicht, die jemals in dem Land beobachtet wurde, wird betont. Aus Schlafmohn wird Opium und schließlich Heroin gewonnen. Vor allem die USA und Großbritannien investieren Millionen, um die Drogenproduktion in dem kriegszerrütteten Land einzudämmen.

Die größten Anbaufelder mit einer Fläche von 62 Prozent liegen im Süden Afghanistans, wie es heißt. Nur sechs von 34 Provinzen seien frei von Opium-Kulturen, berichtete das UN-Büro für Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung (UNODC) weiter. Der Anbau habe in Afghanistan ein Ausmaß angenommen, das die Erfolge im Kampf gegen die Drogenproduktion in anderen Ländern praktisch zunichte mache. Weltweit habe Afghanistan bei der Opiumproduktion einen Anteil von 92 Prozent.

Drogen-Konsum ist weltweit rückläufig

Fünf Prozent der Weltbevölkerung oder bis zu 200 Millionen Menschen konsumieren Drogen, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht. 25 Millionen Menschen seien schwer drogensüchtig.

Allerdings stiegen laut Drogenreport im vergangenen Jahr erstmals weltweit weder der Drogen-Konsum noch der Anbau. Im Jahr 2006 konsumierten demnach 159 Millionen Menschen Cannabis, 2005 waren es noch 162 Millionen. Die jüngsten Zahlen zeigten, dass Drogenmissbrauch rückläufig sei, sagte UNODC-Direktor Antonio Maria Costa. Bei den meisten Drogen - Kokain, Heroin, Cannabis und Amphetaminen - seien Produktion, Handel und Konsum im Jahr 2006 stabil geblieben.

Kokain-Schmuggler suchen ständig neue Vertriebswege

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten seien nach den weltweiten Statistiken Konsum und Herstellung etwa auf gleichem Stand geblieben. Bei Kunstdrogen oder Amphetaminen wie Ecstasy habe es ebenfalls keine Produktionssteigerung gegeben, heißt es in dem Bericht.
Bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels konnten weltweit Erfolge erzielt werden, wird betont. Mehr als 45 Prozent des weltweit hergestellten Kokains und mehr als ein Viertel des Heroins würden mittlerweile aus dem Verkehr gezogen. 1999 waren es noch 21 Prozent beim Kokain und nur 15 Prozent beim Heroin.

Die Händler suchten allerdings nach neuen Vertriebswegen, etwa durch Afrika. Dies gelte besonders für Kokain-Schmuggler aus Kolumbien und Heroin-Dealer aus Afghanistan, schreiben die Vereinten Nationen. (mit dpa)

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