Politik : Afghanistan: Paschtune Karsai als Regierungschef im Gespräch

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Nach sechs Tagen intensiver Verhandlungen über eine politische Neuordnung in Afghanistan liegt der Entwurf für ein Abschlussabkommen auf dem Tisch. Für einen erfolgreichen Abschluss fehlt allerdings noch eine Übereinkunft der vier afghanischen Delegationen, welche Personen der Übergangsregierung angehören sollen. "Wir sprechen immer noch über die Namen", sagte UN-Sprecher Ahmad Fausi am Sonntag.

Der siebenseitige Entwurf enthält vier Hauptpunkte:

eine Übergangsregierung mit 25 bis 28 Mitgliedern und einem auf sechs Monate befristeten Mandat

eine unabhängige Kommission mit 21 Mitgliedern zur Einberufung einer "Loja Dschirga", also einer großen Ratsversammlung mit Vertretern aus allen Landesteilen; deren Aufgabe sind weitere Reformen, die zu Wahlen, einer Verfassung mit Menschenrechtsgarantien und schließlich einer stabilen Regierung führen sollen.

ein Oberstes Gericht

die Stationierung einer internationalen Friedenstruppe, sofern dies von Afghanistan für erforderlich gehalten wird.

Der Entwurf fasse die von den vier Delegationen vertretenen Positionen für eine Übergangsverwaltung zusammen, sagte UN-Sprecher Ahmad Fausi: "Das ist eine hundertprozentige afghanische Lösung." Eine herausgehobene symbolische Rolle ist für den ehemaligen König Mohammed Sahir Schah geplant; der 1976 gestürzte König lebt 87-jährig in Rom. Nach Angaben Fausis wurde vorgeschlagen, dass Sahir Schah die Loja Dschirga eröffnen soll.

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Als möglicher Regierungschef wurde Hamid Karsai genannt. Der Führer der Allianz-Delegation und Innenminister Junis Kanuni sollen genauso im Amt bleiben wie Außenminister Abdullah Abdullah. Für den amtierenden Präsidenten Rabbani werde noch ein Amt gesucht, hieß es. In dem Kabinett soll auch eine Frau vertreten sein.

Der Paschtunenführer Karsai ist der Wunschkandidat der USA und kämpft zurzeit mit Unterstützung von US-Luftangriffen gegen die radikal-islamistischen Taliban in Kandahar. Karsai ist Angehöriger des Popalzai-Stamms. Seit 1747 stammt jeder König Afghanistans von diesem Stamm ab. Karsai spricht fließend Englisch und ist auf diplomatischem Parkett so anerkannt wie unter afghanischen Stammesfürsten.

Wie der in Deutschland lebende Journalist Ashwin Raman dem Tagesspiegel berichtete, dauerten die Einzelverhandlungen der vier Gruppen am Sonnabend bis drei Uhr in der Frühe. Während sich die "Rom"-, "Zypern"- und "Peschawar"-Gruppen schnell einig wurden, erschwerte der Machtkampf zwischen der radikalen und gemäßigten Garde der faktisch allein regierenden Nordallianz (Vereinigte Front) weitere Fortschritte. Kanuni habe dem Präsidenten Rabbani schließlich gedroht, "dann eben ohne Euch" weiterzuverhandeln.

Der Konferenzleiter und UN-Sonderbeauftragte Brahimi will im Anschluss an die Konferenz nach Afghanistan fliegen, um für die Umsetzung des Abkommens zu sorgen.

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