Afghanistan : Proteste gegen angebliche Koranverbrennung durch US-Truppen

Wütende Afghanen werfen US-Soldaten vor, den Koran verbrannt zu haben. Die Isaf entschuldigt sich für eine "unangemessene Entsorgung", die nicht absichtlich gewesen sei. Die Demonstranten fordern "Tod den Amerikanern".

Ein afghanischer Demonstrant hält ein halbverbranntes Koranexemplar in die Höhe.
Ein afghanischer Demonstrant hält ein halbverbranntes Koranexemplar in die Höhe.Foto: AFP

Die angebliche Verbrennung des Korans durch US-Soldaten in Afghanistan hat am Dienstag wütende Proteste ausgelöst. Vor dem Stützpunkt in Bagram versammelten sich nach Behördenangaben knapp 3000 Demonstranten, die „Tod den Amerikanern“ skandierten. Die Internationale Schutztruppe Isaf räumte ein, dass Soldaten in Bagram muslimische Schriften wie den Koran „unangemessen entsorgt“ hätten. Isaf-Kommandeur John Allen entschuldigte sich und betonte, die Soldaten hätten nicht vorsätzlich gehandelt.

Die Sprecherin der Regierung der Provinz Parwan, Roschana Chalid, sagte, auf der US-Basis arbeitende Afghanen hätten angebrannte Koran-Exemplare von dort mitgebracht. Bei anschließenden Protesten hätten Sicherheitskräfte mit Warnschüssen versucht, die Menge aufzulösen. Ein Teilnehmer an den Protesten namens Sami Ullah sagte, ein Demonstrant sei von Soldaten angeschossen worden. Die Behörden bestätigten das nicht. Muslimen gilt die Verbrennung sowie jede andere Schändung des Korans als Todsünde.

Isaf-Kommandeur Allen sagte, die Schutztruppe werde sicherstellen, dass ein solcher Fall nicht erneut vorkomme. „Das sichergestellte Material wird ordnungsgemäß durch die entsprechenden religiösen Obrigkeiten gehandhabt werden.“ Die Isaf machte keine Angaben, warum religiöse Schriften wie der Koran auf der Basis lagerten. Allerdings unterhalten die US-Truppen in Bagram ein umstrittenes Gefängnis. Häftlingen wird dort der Koran zur Verfügung gestellt.

Schon früher Proteste gegen Koran-Verbrennung eines US-Predigers

Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koran-Verbrennung eines US-Predigers 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN-Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben.

Weitere Gewalt zwischen Isaf-Soldaten und afghanischen Sicherheitskräften

Bei einem Zusammenstoß zwischen Isaf-Soldaten und afghanischen Polizisten in der südafghanischen Provinz Kandahar wurde unterdessen ein Albaner getötet. Das Büro des Provinzgouverneurs teilte am Dienstag mit, beim Verteilen von Schreibmaterial an einer Schule sei es am Vorabend zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung und dann zu Schüssen gekommen. Ein albanischer Soldat sei getötet, zwei weitere seien verletzt worden. Auch ein US-Soldat sei verwundet worden. Die beteiligten Polizisten seien festgenommen worden.

Die Isaf teilte lediglich mit, ein Angreifer in Polizeiuniform habe einen Isaf-Soldaten erschossen. In den vergangenen Monaten häufen sich Angriffe afghanischer Sicherheitskräfte auf Isaf-Angehörige. Oft bleibt unklar, ob es sich bei den Attentätern um sogenannte Schläfer von Aufständischen-Gruppen wie den Taliban handelt oder ob andere Motive hinter den Angriffen stehen.

Frankreich droht mit Truppenabzug

Vor einem Monat hatte ein afghanischer Soldat vier französische Kameraden erschossen. Präsident Nicolas Sarkozy drohte daraufhin mit einem vorzeitigen Truppenabzug vom Hindukusch.

Taliban-Kämpfer enthaupteten unterdessen nach Angaben der Behörden in der südafghanischen Provinz Helmand vier Zivilisten. Die Aufständischen hätten den Opfern fälschlicherweise vorgeworfen, für die Regierung und die internationalen Truppen zu spionieren, teilte Helmands Provinzregierung mit.

(dpa)

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