Politik : Afghanistan: Regime der Taliban am Ende

Nach zwei Monaten Krieg in Afghanistan ist das Taliban-Regime offenbar am Ende. Tausende Milizen ergaben sich am Freitag in der letzten verbliebenen Taliban-Hochburg Kandahar kampflos den einrückenden Oppositionstruppen. Ein paschtunischer Stammesrat übernahm nach zeitweisem Chaos die Kontrolle in der Stadt. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar, der die Übergabe Kandahars vereinbart hatte, ist auf der Flucht. In der Nähe der Bergfestung Tora Bora im Osten des Landes tobten dagegen heftige Gefechte. Die USA wollen die Angriffe fortsetzen, bis die Ziele der Anti-Terror-Koalition erreicht sind.

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"Die Taliban sind am Ende", sagte der designierte Regierungschef Hamid Karsai. "Ab heute sind sie nicht länger ein Teil von Afghanistan." Die Entwaffnung der Taliban in Kandahar solle innerhalb von zwei bis drei Tagen abgeschlossen sein. Viele Taliban seien jedoch aus der Stadt geflohen, hieß es. Oppositionelle Truppen besetzten strategische Stellungen in Kandahar. Karsai erklärte, er habe den Taliban zwar eine Amnestie angeboten, diese gelte aber nicht für Omar. Falls man ihn finde, werde er festgenommen. Die USA hatten zuvor auf einer Festnahme Omars bestanden.

Flüchtlinge beschrieben die Lage in Kandahar als chaotisch und berichteten von plündernden Banden, die das Machtvakuum ausnützten. Augenzeugen sagten, Einwohner seien nach dem Rückzug der Taliban voller Freude auf die Straßen geströmt und hätten Bilder des Ex-Königs Sahir Schah in die Höhe gehalten. US-Elitesoldaten feuerten auf flüchtende Talibankämpfer und töteten sieben Milizionäre, berichtete CNN.

Die schwersten Kämpfe tobten zwischen Oppositionstruppen und den Al-Qaida-Kämpfern von Terroristenchef Osama bin Laden um die Bergfestung Tora Bora nahe Dschalalabad. Anti-Taliban-Einheiten entdeckten eigenen Angaben zufolge eines der Hauptlager bin Ladens. Von bin Laden fehle aber jede Spur. Möglicherweise sei er über die Grenze nach Pakistan entkommen. CNN berichtete, auch US-Militärs schlössen nicht aus, dass er nicht mehr in Afghanistan ist. US-Geheimdienste suchten ihn auch in anderen Ländern, etwa in Somalia, aber auch in Asien und Europa.

In der Debatte um eine deutsche Beteiligung an einer UN-Friedenstruppe verwies Verteidigungsminister Rudolf Scharping auf die begrenzten Mittel der Truppe. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses, Hans-Ulrich Klose, sagte, wenn die Bundeswehr die Voraussetzungen für einen solchen Einsatz nicht erfülle, müssten sie geschaffen werden.

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