Afghanistan : Schwerste Anschlag auf die Isaf in Kabul seit 2001

Nach dem schweren Anschlag auf die Isaf in Kabul beginnt der Kampf um die Deutungshoheit: Zeigt er die Verzweiflung der Taliban - oder offenbart er die Schwäche des Westens?

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Malt die Nato die Lage am Hindukusch rosiger, als sie ist? Die Serie spektakulärer Anschläge in Kabul reißt nicht ab. Erneut gelang es den Taliban, mitten in der schwer gesicherten Hauptstadt zuzuschlagen und ein Militärfahrzeug der Isaf in die Luft zu jagen. 17 Menschen starben, darunter zwölf amerikanische Soldaten und ein kanadischer. Vier Todesopfer waren Afghanen. Es war die tödlichste Attacke auf die Isaf in Kabul seit Sturz der Taliban im Jahr 2001. Der Anschlag ereignete sich auf der Darulaman-Straße, die die Nato-Basen in der Innenstadt mit dem militärischen Trainingszentrum verbindet und oft von der Isaf benutzt wird. Die Wucht der Bombe war so gewaltig, dass sie das Fahrzeug meterweit aus der Bahn und auf die Seite warf. Noch Kilometer entfernt barsten Fensterscheiben. Über Stunden stiegen schwarze Rauchschwaden über dem brennenden Wrack auf.

Isaf-Kommandant General John R. Allen zeigte sich erschüttert über den Verlust an Menschenleben, deutete den Anschlag aber als Verzweiflungstat der Militanten. Diese wollten „die Tatsache vertuschen“, dass sie an Boden verlieren, meinte Allen. Diese Ansicht wird allerdings von den wenigsten Afghanen geteilt. Immer weniger glauben noch, dass die Strategie der Nato aufgeht, die Taliban mit Militärgewalt in die Knie zu zwingen. Und es war nicht der einzige Anschlag an diesem Tag. In der Provinz Kandahar erschoss ein afghanischer Rekrut drei australische Soldaten. In der Provinz Kunar sprengte sich eine Selbstmordattentäterin in Burka im Büro des Geheimdienstes NDS in die Luft. Vier Menschen wurden verletzt. Bereits in den Vormonaten war Kabul immer wieder Ziel von Terrorattacken geworden, obgleich die Hauptstadt noch als vergleichsweise sicher gilt. Im September hatten Militante sich über 20 Stunden in einem Rohbau verschanzt, um von dort aus die US-Botschaft und das Isaf-Hauptquartier zu beschießen. Washington lastete die Attacke dem in Pakistan ansässigen Hakkani-Netzwerk an. Zuvor hatten Militante das British Council und das Hotel Intercontinental überfallen. Im August waren 30 US-Soldaten bei einem Hubschrauber-Abschuss gestorben. Die Anschlagswelle steht im krassen Kontrast zu den eher optimistischen Lageberichten der US-Militärs, die erst jüngst verkündet hatten, dass die Zahl der Attacken seit Mai sinke. Und sie nährt Zweifel am Abzugsplan des Westens. Dieser will die Verantwortung für die Sicherheit schrittweise den Afghanen übertragen, damit die meisten ausländischen Soldaten bis Ende 2014 abziehen können. Experten warnen, die afghanischen Sicherheitskräfte seien nicht reif für diese Aufgabe. „Sie sind nicht gut ausgerüstet, der Feind hat ihre Ränge infiltriert und es gibt noch viele andere Probleme”, meint der Analyst Ahmad Saeedi. Der Anschlag zeigte auch erneut, wie schlecht es um die Beziehungen zwischen Kabul und Washington inzwischen bestellt ist. So bedauerte Präsident Hamid Karsai zwar den Tod der vier Afghanen. Die amerikanischen Todesopfer erwähnte er mit keinem Wort. Jüngst hatte Karsai sogar gewarnt, falls Washington Pakistan angreife, werde Afghanistan aufseiten Islamabads stehen.

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