Afghanistan : Steinmeier besucht Truppen in Kundus

Drei Tage nach dem tödlichen Bombenanschlag auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hat Außenminister Steinmeier den deutschen Stützpunkt Kundus besucht. Er würdigte die Arbeit der Soldatinnen und Soldaten als herausragend.

Kundus/Kabul - "Ihre Arbeit verdient unsere ganze Anerkennung. Unser Land ist stolz auf seine Aufbauhelfer und Soldaten", sagte Steinmeier bei dem von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleiteten Besuch beim deutschen Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus. Nach einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul sagte Steinmeier, Deutschland stehe zu seinen Verpflichtungen beim Wiederaufbau Afghanistans.

Karsai würdigte Deutschland als "sehr alten Freund Afghanistans". Vor allem in den vergangenen fünf Jahren habe die Bundesrepublik einen enormen Beistand geleistet. Er äußerte erneut sein Mitgefühl für die drei am Samstag auf einer Marktstraße in Kundus getöteten deutschen Soldaten. "Das ist ein Zeugnis für den Beitrag Deutschlands im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus und ein Beitrag dafür, dass die Menschen in Afghanistan ein besseres Leben führen können."

Steinmeier hatte bei seinem Besuch in Kundus vertraulich eine knappe Stunde mit Soldaten gesprochen und dabei deren "herausragenden Leistungen" betont. Der Anschlag habe deutlich gemacht, dass es in Afghanistan keine sicheren Zonen gebe. "Der Terror droht überall, und absoluten Schutz vor Terrorangriffen gibt es nicht. Das mussten wir sehr schmerzlich erfahren." Die getöteten deutschen Soldaten sollen am Mittwoch nach Deutschland gebracht werden. Vor ihren Särgen steht eine Ehrenwache. Steinmeier legte Blumen nieder und trug sich in das Kondolenzbuch ein.

Soldaten aufgebracht über Berichterstattung deutscher Medien

Für Verbitterung hatte an dem Stützpunkt die Berichterstattung einiger deutscher Medien über den Anschlag gesorgt. "Ich glaube, da ist viel kaputt gemacht worden", sagte PRT-Sprecher Oberstleutnant Günter Schellmann. Es sei sehr schwer gewesen, die Soldaten und auch die Führung zu beruhigen, als die "hässlichen Bilder" in Teilen der deutschen Presse kursierten und auch die Familien der unmittelbar Betroffenen des Anschlags erreicht hätten. "Das hat uns alle tief getroffen. Ich habe nicht geglaubt, dass so was in Deutschland möglich ist." Nach dem Anschlag am Samstag waren drastische Bilder der privaten afghanischen TV-Station Ariana auch von einigen deutschen Medien übernommen worden.

Steinmeier trifft am Abend im Kabul seinen afghanischen Amtskollegen Rangin Dadfar-Spanta und fliegt am Mittwoch weiter nach Pakistan. Dort ist ein Treffen mit Staatschef Pervez Musharraf geplant. Die Reise dient auch der Vorbereitung des G-8-Außenministertreffens kommende Woche in Potsdam. Dort werden auch die Außenminister Afghanistans und Pakistans erwartet. Das Verhältnis zwischen beiden Nachbarländern ist gespannt. Afghanistan wirft der pakistanischen Regierung vor, sie tue zu wenig, um das Einsickern von Taliban-Kämpfern über die Grenze zu verhindern. (tso/dpa)

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