Afghanistan : Studie: Taliban weiten ihren Einfluss stark aus

Sie kontrollieren wichtige Straßen und stehen sogar vor den Toren Kabuls: Die radikalislamischen Taliban haben ihren Einfluss in Afghanistan nach Einschätzung von Experten erheblich ausgeweitet - und demonstrieren mittlerweile in drei Vierteln des Landesgebietes ihre Präsenz.

Taliban
Taliban posieren in der Provinz Wardak. -Foto: AFP

KabulEine am Montag veröffentlichte Studie der europäischen Expertengruppe International Council on Security and Development (ICOS) kommt zu dem Schluss, dass die Taliban in Afghanistan ihren Einflussradius stark ausweiten konnten und nunmehr auf 72 Prozent des Landesterritoriums ihre Präsenz zeigen. Im vergangenen Jahr lag der Vergleichswert bei 54 Prozent. Vor allem im Süden des Landes beherrschen die Taliban dem Bericht zufolge viele Städte und Dörfer. Dem ICOS zufolge stehen sie mittlerweile auch "vor den Toren der Hauptstadt": Es sei den Rebellen gelungen, zahlreiche Stützpunkte in der Nähe von Kabul zu schaffen.

Auch drei der vier wichtigen Zufahrtsstraßen nach Kabul werden dem Bericht zufolge von den Taliban kontrolliert. Die Straße nach Westen führe bereits nach einer halben Stunde durch unsicheres Gebiet, die Straße nach Osten könne nur eine Stunde lang ohne
Probleme befahren werden. Unsicher ist demnach auch die Straße in die südliche Provinz Logar. Sieben Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes gebe es Anzeichen dafür, dass die Islamisten das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewännen. Mit den Nato-Truppen und der afghanischen Regierung seien die Menschen dagegen zunehmend unzufrieden. Als Hauptgründe werden der Kampf gegen den Opium-Anbau, der Tod von Zivilisten bei Luftangriffen und die hohe Arbeitslosigkeit genannt.

Das afghanische Außenministerium wies die Darstellung der europäischen Experten zurück. Die problematischen Bereiche beschränkten sich auf wenige Bezirke im Süden und Osten des Landes, teilte das Ministerium in Kabul mit. Für die Studie habe ICOS "sporadisch" Aktivitäten der Taliban medienwirksam überbewertet. Die auf Sicherheitsfragen spezialisierte Organisation hatte einen Angriff pro Woche als Hinweis auf eine ständige Präsenz der Taliban in einem Gebiet gewertet. (jam/AFP)

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