Politik : Afghanistan: Taliban bleiben stur

Afghanistans Taliban-Regierung lehnt Presseberichten zufolge nach wie vor eine Verlängerung der Visa von Diplomaten ab, die sich um Zugang zu den inhaftierten Mitarbeitern einer Hilfsorganisation bemühen. Die in Pakistan ansässige Nachrichtenagentur AIP meldete am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise in Kabul, die Haltung der Taliban habe sich nicht geändert. Die Aufenthaltsgenehmigungen der drei Diplomaten laufen am Dienstag aus. Die Diplomaten sollten am Montag mit Vertretern der Taliban zusammentreffen. Die Vereinten Nationen warfen den Taliban vor, internationales Recht zu verletzen.

Auf die Frage, wie sich die Diplomaten verhalten sollten, wenn ihre Visa abgelaufen seien, sagte ein Sprecher des Taliban-Außenministeriums: "Wir erwarten, dass die Diplomaten die Gesetze unseres Landes respektieren." Die Diplomaten aus Deutschland, Australien und den USA hätten dem afghanischen Außenministerium am Samstag ihre Pässe übergeben, um die Aufenthaltsgenehmigungen zu verlängern, meldete AIP. Dies sei aber von den Taliban abgelehnt worden. Seit Dienstag bemühen sich die Diplomaten um Zugang zu den vier Deutschen, zwei Australiern und zwei US-Bürgern, die vor zwei Wochen gemeinsam mit 16 afghanischen Mitarbeitern von der Religionspolizei der Taliban festgenommen wurden. Die Polizei wirft den Inhaftierten christliche Missionierung vor, die nach dem in Afghanistan geltenden islamischen Recht mit dem Tod bestraft werden kann. Die Hilfsorganisation hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Am Montag solle es ein neues Treffen mit Taliban-Vertretern geben. Die Taliban hatten zuvor den Diplomaten die Ausreise empfohlen. Den weiteren Verlauf der Ermittlungen könnten sie auch aus Pakistan beobachten, hieß es. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte am Freitag gesagt, es verstoße gegen internationales Recht, den Diplomaten den Zugang zu den Inhaftierten zu verweigern. Annan appellierte an die Taliban, den Fall "gemäß den internationalen Normen und Verpflichtungen" zügig zu lösen. Die Inhaftierung der Helfer könne sonst zu "schweren Konsequenzen" für die humanitäre Hilfe in Afghanistan führen.

Die Taliban ermitteln wegen des Vorwurfs der Missionierung auch gegen das in Afghanistan tätige Welternährungsprogramm der UN. Im vergangenen Jahr hatten die Taliban allen Hilfsorganisationen die Entlassung ihrer weiblichen Mitarbeiter befohlen.

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