Afghanistan : Taliban drohen mit weiteren Geiselnahmen

Im Fall der entführten Ausländer in Afghanistan gibt es weiter keine Anzeichen einer baldigen Freilassung. Während Staatschef Karsai bei US-Präsident Bush Unnachgiebigkeit demonstriert, spielen die Taliban weiter auf Zeit.

Karsai
Weilt derzeit in Camp David: Präsident Karsai mit US-Kollege Bush und dessen Frau Laura. -Foto: dpa

Kabul/Seoul/BerlinIn der Geiselkrise in Afghanistan haben die radikal-islamischen Taliban mit weiteren Entführungen gedroht. Auch wenn die afghanische Regierung in den Verhandlungen hart bleiben sollte, werde das die Rebellen nicht davon abhalten, noch entschlossener Geiseln zu nehmen, sagte Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi. Vor seiner Reise in die USA hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai Zugeständnisse erneut abgelehnt. Karsai sagte dem Sender CNN: "Wir werden alles, alles tun, um eine sichere Freilassung zu erreichen - mit Ausnahme dessen, was die Geiselnehmer ermutigen würde."

Die Taliban fordern im Tausch gegen 21 südkoreanische Geiseln die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus afghanischer Haft. Zwei der ursprünglich 23 Geiseln haben die Rebellen bereits erschossen. Ahmadi sagte, der Gesundheitszustand der restlichen Verschleppten sei nicht gut. Als falsch bezeichnete er Berichte, dass den Taliban Medikamente für die Geiseln geliefert worden seien. Die Rebellen selbst hätten Medizin und Ärzte organisiert. Ärzten von außen haben die Taliban den Zugang zu den Entführten bislang verweigert.

"Verlassen uns auf die Verhandlungsführung der Afghanen"

Zwischen der Bundesregierung und den Entführern des deutschen Bauingenieurs in Afghanistan gibt es nach Angaben des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), keinen direkten Kontakt. Der Krisenstab in Berlin werde von den Behörden in Kabul jedoch ständig informiert, sagte Erler im RBB-Inforadio. "Wir verlassen uns hier auf die Verhandlungsführung der afghanischen Regierung, die Kontakt zu den Entführern hat." Die Verhandlungen seien schwieriger als in anderen Fällen. Nach dpa-Informationen handelt es sich bei den Geiselnehmern des Deutschen um eine örtliche Taliban-Gruppierung mit kriminellem Hintergrund. Sie soll nur lose Verbindungen mit den straffer organisierten Taliban von Mullah Omar unterhalten.

Mehr als zwei Wochen nach der Verschleppung der Südkoreaner haben die Taliban einen südkoreanischen Diplomaten kurz mit einer der Geiseln telefonieren lassen. Wie Regierungsbeamte in Seoul mitteilten, kam der direkte Kontakt zwischen einem Vertreter der südkoreanischen Botschaft in Kabul und einer Geisel bereits am Samstag zustande. Einzelheiten zur Geisel oder zum Inhalt des Gesprächs unter Aufsicht der Taliban wurden nicht genannt. Es sei nach seinen Informationen der erste direkte Kontakt der Botschaft mit einer Geisel gewesen, sagte ein Beamter.

Südkoreaner: Hilfsorganisation soll vermitteln

Derweil dauerte das Tauziehen um ein Treffen zwischen südkoreanischen Unterhändlern und den Taliban an. Nach Berichten des südkoreanischen Rundfunksenders KBS prüft Seoul zurzeit, ob es Verhandlungen durch Vermittlung des Roten Kreuzes oder des Roten Halbmondes geben könnte. Eine Vermittlung durch eine internationale Hilfsorganisation würde weniger diplomatische Verwicklungen verursachen als das bei den Vereinten Nationen der Fall wäre. Die Taliban wollen Gespräche mit Seoul nur an einem von ihnen kontrollierten Ort oder mit einer Sicherheitsgarantie der UN führen.

Bei Kämpfen in der südafghanischen Provinz Sabul wurden nach offiziellen Angaben mindestens 21 Taliban-Kämpfer getötet. Der Sprecher der Provinzregierung, Ghulobshah Alikhail, sagte, zu den Kämpfen sei es am Vortag im Distrikt Shah Joy im Grenzgebiet zur Provinz Ghasni gekommen. In der Gegend waren die 23 Südkoreaner am 19. Juli von den Rebellen entführt worden. (mit dpa)

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