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Afghanistan : Taliban greifen Bundeswehrpatroille an - Vier tote Soldaten

Wie dem Tagesspiegel bestätigt wurde, sind bei Kämpfen im nordafghanischen Kundus vier Bundeswehr-Soldaten getötet worden. Die Deutschen wurden demnach auf einer Patrouille von Kundus nach Baghlan mit Panzerfäusten angegriffen. Weitere Soldaten wurden verletzt. Verteidigungsminister Guttenberg hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht mehr in Afghanistan auf.

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Insgesamt sind damit seit Beginn des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan 43 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. Foto: ddp
Insgesamt sind damit seit Beginn des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan 43 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.Foto: ddp

Wie dem Tagesspiegel bestätigt wurde, sind bei Kämpfen im nordafghanischen Kundus vier Bundeswehr-Soldaten getötet worden. Die Deutschen wurden demnach auf einer Patrouille von Kundus nach Baghlan mit Panzerfäusten angegriffen. Weitere Soldaten wurden verletzt. Verteidigungsminister Guttenberg hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht mehr in Afghanistan auf.

Es ist der zweite schwere Zwischenfall in Afghanistan innerhalb weniger Tage, den die Bundeswehr verkraften muss. Erst vor zwei Wochen sind drei Bundeswehrsoldaten bei Gefechten in der Nähe von Kundus ums Leben gekommen. Jetzt starben vier Soldaten bei Kämpfen  mit Taliban. Die Bundesregierung hat den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses am Donnerstag in einem knappen Kommuniqué folgendes mitgeteilt: „Am 15.04. 10, gegen 12:00 deutscher Zeit, wurde ein geschütztes Fahrzeug vom Typ EAGLE IV rund sechs Kilometer nördlicher der Stadt Baghlan (Verantwortungsbereich Povincial Reconstruction Team (PRT) Pol-e Khomri), nahe der sogenannten „Dutch-Bridge“, durch Opposing Militant Forces (OMF) vermutlich mit einer Rakete beschossen. Dabei wurden das Fahrzeug sowie die sich in der Nähe des Fahrzeugs befindlichen deutschen Soldaten (. . .) getroffen. Nach bisher vorliegenden Informationen sind dabei vier deutsche Soldaten gefallen, fünf weitere wurden verwundet, einige davon schwer. Die Angehörigen sind noch nicht informiert. (. . .)“ 

Das strategische Ziel der Taliban ist sehr ehrgeizig. Sie wollen die Bundeswehr zum Rückzug aus Afghanistan zwingen und damit einen zentralen Pfeiler aus dem westlichen Sicherheitskonzept für das Land herausbrechen – in der Hoffnung, dass die Nato und vor allem die Amerikaner den Einsatz komplett aufgeben. Die Schläge gegen die Bundeswehr sollen allerdings vor allem die deutsche Öffentlichkeit beeindrucken und ängstigen. Deshalb wenden die Taliban eine doppelte Taktik an: Sie verschärfen die Angriffe auf die Bundeswehr, gleichzeitig wird der Psychokrieg gegen Deutschland weiter angefacht. Seit Anfang 2009 sendet die Taliban permanent Drohungen Richtung  Deutschland.

Die Taliban haben eine Langzeitperspektive. Ob der Krieg in Afghanistan noch zehn Monate dauert oder zehn Jahre, ist ihnen gleichgültig. Beharrlich nisten sich die Kämpfer im Norden Afghanistans in den von Paschtunen bewohnten Gebieten ein, um von dort aus die Bundeswehr in der gesamten Fläche zu bekämpfen. Sicherheitsexperten sprechen schon lange von der Faustregel, dass die Taliban überall dort stark sind, wo es paschtunische Inseln gibt. Die paschtunischen Stämme haben seit Jahrhunderten gegen fremde Herrscher gekämpft. In dieser Tradition sehen sich auch die Taliban, in deren Reihen fast ausschließlich Paschtunen aktiv sind. Und es scheint den Taliban zu gelingen, in Teilen der paschtunischen Bevölkerung die Bundeswehr als Besatzer, ungläubige zumal, zu stigmatisieren.

Militärisch haben die Taliban in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Neben den Attacken mit Sprengfallen, Sicherheitsexperten sprechen von „roadside bombs“, gehen die Taliban zu Angriffen mit Raketen über. Dabei wird nicht nur nach der hit-and-run-Methode das Geschoss abgefeuert und dann geflüchtet. Inzwischen schießen die Taliban Raketen ab, um aus dem Hinterhalt heraus Gefechte zu provozieren, die auch länger anhalten können. Der Blutzoll der fremden Soldaten soll so weit wie möglich in die Höhe getrieben werden. Um auch die Heimat der Opfer zu treffen.


Dazu passt die Taktik, mit zahlreichen Drohungen eine Zermürbung der deutschen Öffentlichkeit zu versuchen. Vor der Bundestagswahl im September 2009 wurde Deutschland mit Drohbotschaften überschüttet. Dahinter steckten die Taliban und die mit ihnen verbündeten Terrororganisationen Al Qaida und Islamic Jihad Union (IJU). Die usbekische IJU hatte zudem die Sauerlandgruppe gesteuert, die in der Bundesrepublik verheerende Anschläge mit Autobomben verüben wollte. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte im März vier Mitglieder zu hohen Haftstrafen.

Der Psychoterror geht weiter. Vor wenigen Tagen hat eine Gruppierung namens „Deutsche Taliban-Mudschahedin“ in einem Video behauptet, sie hätten Anschläge auf afghanische und amerikanische Soldaten verübt. Zu den so genannten deutschen Taliban gehört offenbar auch der saarländische Konvertit Eric Breininger, der enge Kontakte zu Mitglieder der Sauerlandgruppe unterhalten hatte und sich vermutlich in Terrorcamps an der pakistanischen-afghanischen Grenze aufhält. Im September vergangenen Jahres hatten die Deutschen Taliban-Mudschahedin bereits der Bundesrepublik mit Anschlägen gedroht.

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