Afghanistan : Taliban greifen Regierungsviertel in Kabul an

Eine Gruppe von Talibankämpfern hat eine bewaffnete Offensive auf das Regierungsviertel von Kabul gestartet und Gebäude nahe des Palastes von Präsident Hamid Karsai besetzt. Sicherheitskräfte bekamen die Lage erst nach Stunden unter Kontrolle.

Kabul
Die Taliban-Offensive ist einer der schwersten Angriffe auf das festungsartig abgeschirmte Regierungsviertel. -Foto: AFP

KabulRadikal-islamischen Kämpfer haben zehn Tage vor der Afghanistan-Konferenz in London das streng bewachte Machtzentrum von Kabul angegriffen. An der koordinierten Kommandoaktion am Montag waren rund 20 Taliban, darunter mehrere Selbstmordattentäter, beteiligt. Nach offiziellen Angaben starben mindestens sieben Aufständische, vier Sicherheitskräfte und ein Zivilist. Mindestens 36 Menschen, darunter Polizisten und Soldaten, wurden bei den Gefechten verletzt. Es war einer der schwersten Angriffe auf das festungsartig abgeschirmte Regierungsviertel in den vergangenen Jahren.

Die Sicherheitskräfte im Regierungsviertel hatten erst mehrere Stunden nach dem Start der Attacke am Vormittag die Situation wieder unter Kontrolle. Die Gefahr eines Angriffs war in Kabul offensichtlich bekannt. Dem Parlament war vor Tagen mitgeteilt worden, dass Aufständische gepanzerte Fahrzeuge gestohlen hätten mit dem Ziel, einen Anschlag zu verüben. Eines der Fahrzeug sei am Montag eingesetzt worden, sagte ein Parlamentarier. Die Sicherheitsvorkehrungen waren eigens verstärkt worden.

Taliban attackieren Kabul
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1 von 7Foto: AFP
18.01.2010 12:1818.01.2010 - Die Taliban greifen Kabul an: Schüsse zerreißen die Luft, Rauchschwaden hängen über der afghanischen Hauptstadt. -


Das Kommando der Aufständischen, dem nach Angaben eines Taliban-Sprechers etwa 20 Kämpfer angehörten, hatte ein Gebäude eines Einkaufszentrums nahe dem Palast von Präsident Hamid Karsai besetzt. Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen. Nach Berichten der afghanischen Agentur Pajhwok gab es langanhaltende Feuergefechte zwischen den Rebellen und Sicherheitskräften. Fernsehbilder zeigten das in Flammen stehende Einkaufszentrum, über dem Areal stiegen dichte dunkle Rauchwolken auf. Anwohner mussten fliehen. Auch ein Kino war in der Hand der Aufständischen.

Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte, zwei Selbstmordattentäter hätten sich vor dem Präsidentenpalast in die Luft gesprengt. Zwei weitere seien von afghanischen Sicherheitskräften getötet worden. Nach Angaben des privaten Fernsehsenders Tolo soll sich ein weiterer Selbstmordattentäter in der Nähe des Außenministeriums in die Luft gesprengt und mehrere Menschen mit in den Tod gerissen haben. Nach Berichten von Augenzeugen soll es weitere Explosionen gegeben haben, bei denen Selbstmordattentäter beteiligt waren. Die Zahl der Opfer war zunächst unbekannt.

Mehrere Stunden nach dem Angriff seien "nahezu alle" von den Aufständischen besetzten Gebäude wieder in der Hand der Sicherheitskräfte, sagte der Ministeriumssprecher. Diese suchten nach restlichen Taliban, die sich darin versteckt halten könnten. Ein Taliban-Sprecher hatte sich zuvor per Telefon von einem geheim gehaltenen Ort zu dem gezielten Angriff auf Regierungsgebäude und den Präsidentenpalast bekannt.

Ein Sprengkörper habe auch den Garten des Serena Hotels getroffen, sagte ein Gast. In dem einzigen Fünf-Sterne-Hotel Afghanistans steigen zahlreiche westliche Diplomaten und Journalisten ab. Die Gäste seien zu ihrer eigenen Sicherheit in den Keller des Hotels gebracht worden. Der Taliban-Sprecher behauptete, mehrere Ausländer seien bei dem Angriff auf das Hotel getötet worden. Eine Bestätigung dafür gab es nicht.

Präsident Karsai, der am Montag nur einen Steinwurf vom Anschlagsort entfernt neue Mitglieder seines Kabinetts vereidigte, verurteilte den Angriff. In einem von seinem Büro verbreiteten Statement versicherte er den Bürgern von Kabul, die Stadt sei unter der Kontrolle der Sicherheitskräfte. Auch die USA verurteilten die Attacke. Es sei eine "Verzweiflungstat" der Taliban, sagte der US-Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke. "Es ist nicht verwunderlich, dass die Taliban so etwas tun. Das sind verzweifelte Leute, sie sind rücksichtslos", sagte Holbrooke in Neu Delhi, wo er in Vorbereitung der Londoner Afghanistan-Konferenz mit indischen Regierungsvertretern zusammengetroffen war. (smz/dpa) 

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