Politik : Afghanistan: Taliban halten Prozess-Berichterstatter im Hotel fest

Der Prozess gegen acht westliche Helfer im afghanischen Kabul ist am Sonntag ohne Angeklagte, Diplomaten und Journalisten fortgesetzt worden. Ein Vertreter der international nicht anerkannten Taliban-Regierung teilte mit, ein Erscheinen der Angeklagten sei nicht an jedem Prozesstag erforderlich. Etwa 30 ausländische Journalisten und Fotografen wurden am Verlassen ihres Hotels gehindert. Ihnen wird nach Behördenangaben vorgeworfen, Aufnahmen von den Mitarbeitern der Hilfsorganisation Shelter Now gemacht zu haben. In einem Interview mit "DW-tv" schätzte der Vorsitzende von Shelter Germany, Udo Stolte, die Chancen der acht auf Freilassung positiv ein.

Zuvor hatten die acht ausländischen Mitarbeiter von Shelter Now bestritten, in Afghanistan christlich missioniert zu haben. "Die Vorwürfe sind unwahr", sagte Georg Taubmann, der örtliche Leiter der in Deutschland ansässigen Hilfsorganisation, vor Gericht. Der Vorsitzende Richter Nur Mohammed Sakib erwähnte allerdings dem Gericht vorliegende Geständnisse. Er ermunterte am Samstag die Angeklagten, ihre Sichtweise darzustellen. "Sie sollten uns sagen, wie Sie behandelt wurden, (ob) Sie die Geständnisse freiwillig ablegten oder dazu gezwungen wurden", sagte Sakib den Angeklagten. "Hätten wir nur den Ermittlungen der Sicherheitsdienste vertraut, hätten wir Sie nicht vorgeladen", fügte er hinzu. Das Gericht erlaubte den Angeklagten, sich selbst zu verteidigen oder sich Anwälte ihrer Wahl zu nehmen.

Die Taliban-Miliz eroberte unterdessen eine strategisch wichtige Stellung der afghanischen Opposition. Bei dem Angriff nahmen die Truppen der Taliban-Regierung einen Hügel neben einem Luftwaffenstützpunkt nördlich der Haupstadt Kabul ein, wie die den Taliban nahe stehende Nachrichtenagentur AIP unter Berufung auf einen Armeesprecher berichtete. Nach Armeeangaben wurde fast der gesamte Hügel erobert. Die afghanischen Oppositionskämpfer kontrollieren etwa zehn Prozent der Landesfläche. Seit 1996 regiert in Kabul die Taliban-Miliz. Mit ihrer Auslegung des Islam, die in der moslemischen Welt weitgehend abgelehnt wird, wollen die "Gotteskrieger" Afghanistan zu einem Gottesstaat machen.

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