Afghanistan : Taliban stellen Paris Ultimatum

Die mutmaßlichen Geiselnehmer von zwei Franzosen in Afghanistan haben der Regierung in Paris ein Ultimatum zum Abzug der französischen Soldaten aus dem Land gestellt.

Kabul/Paris - Frankreichs Truppen müssten Afghanistan innerhalb einer Woche verlassen, forderten die radikalislamischen Taliban am Freitagabend auf einer ihrer Internetseiten. Zudem müsse die Regierung in Kabul bald zu der verlangten Freilassung von Taliban-Häftlingen Stellung nehmen. Die Geiseln, eine Frau und ein Mann, arbeiten für die Hilfsorganisation Terre d'enfance. Sie waren vor zweieinhalb Wochen mit drei afghanischen Helfern im Südosten des Landes verschleppt worden.

Es wäre das erste Mal, dass die Taliban öffentlich Forderungen für die Freilassung der Franzosen stellen. Eine offizielle Bestätigung für die Echtheit der Erklärung gab es zunächst nicht. Vergangene Woche war bereits ein Video aufgetaucht, in dem die französischen Geiseln sagten, sie hätten Angst um ihr Leben. Ein Sprecher des Außenministeriums in Paris erklärte, die Regierung habe die neue Veröffentlichung "zur Kenntnis" genommen und analysiere die Internet-Botschaft. Im Rahmen der Nato-Schutztruppe Isaf sind in Afghanistan rund tausend französische Soldaten in der Gegend der Hauptstadt Kabul stationiert. Auch französische Kampfflugzeuge sind im Land im Einsatz.

Journalisten und Aufbauhelfer entführt

In Afghanistan waren in den vergangenen Monaten mehrere Journalisten und Mitarbeiter von humanitären Organisationen entführt und in einigen Fällen getötet worden. Das Ende des an Frankreich gestellten Ultimatums der Taliban fällt nun genau zwischen die beiden Wahlgänge der französischen Präsidentschaftswahl, was den Druck auf die Regierung in Paris erhöhen dürfte.

Frankreich hatte am Donnerstag einen ranghohen Diplomaten nach Kabul entsandt, um mit Präsident Hamid Karsai über mögliche Lösungen der Geiselkrise zu beraten. Karsai war in die Kritik geraten, weil er im März im Gegenzug für die Freilassung des italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo fünf Taliban auf freien Fuß setzte. Die USA, Großbritannien und andere Länder hatten gegen den Handel protestiert, weil er weitere Entführungen nach sich ziehen könne. (tso/AFP)

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