Politik : Afghanistan: Taliban-Zuflucht Kandahar vor dem Fall

Anti-Taliban-Kräfte sind am Donnerstag nach eigenen Angaben in Kandahar eingerückt, der letzten Taliban-Bastion im Süden Afghanistans. Das verlautete aus ranghohen Kreisen der Nordallianz in Kabul. "Wir sind in Kandahar einmarschiert", sagte Bismillah Chan, der stellvertretende Verteidigungsminister der Nordallianz. Auch am Donnerstag wurden die US-Luftangriffe auf Kandahar fortgesetzt, während paschtunische Stammesführer mit einigen der Verteidiger der Stadt über eine Kapitulation verhandelten. Unterdessen erzielte die Afghanistan-Konferenz bei Bonn am dritten Tag wichtige Fortschritte.

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Das Pentagon bestätigte den Bericht der Nordallianz über ein Vordringen nach Kandahar indes nicht. Nach US-Angaben desertierte der Geheimdienst-Chef der Taliban-Miliz. Er sei anscheinend zur Nordallianz übergelaufen, sagten hochrangige US-Regierungsvertreter am Donnerstag in Washington. US-Vertreter wollen den Ex-Geheimdienstchef vernehmen, hatten den Angaben zufolge aber bislang keinen Kontakt zu ihm. Nach Angaben aus dem Pentagon sind im Verlauf des Afghanistan-Krieges bereits mehrere hochrangige Taliban desertiert. In einigen Fällen hätten US-Vertreter "Zugang" zu den Deserteuren gehabt, um Erkenntnisse über die Taliban und das Terroristennetzwerk Al Qaida zu erlangen. Die US-Streitkräfte konzentrieren sich zunehmend auf die Jagd nach Osama bin Laden und der Führung von dessen Organisation Al Qaida.

Bei der Bonner Afghanistan-Konferenz sind sich alle Parteien in der baldigen Einrichtung von zwei Gremien für eine gemeinsame Übergangsverwaltung einig. Die UN-Vermittler erwarten aber, dass die Verhandlungen zur personellen Zusammensetzung der Gremien nicht einfach werden. Die Delegationen begannen damit, Listen von Mitgliedern für die beiden Gremien aufzustellen, und bildeten dafür einen gemeinsamen Ausschuss. Zum bislang strittigen Verhandlungspunkt einer militärischen Absicherung des politischen Prozesses erklärte sich die in Kabul herrschende Nordallianz zur Stationierung einer internationalen Friedenstruppe bereit. Sobald die Übergangsverwaltung eingerichtet sei und es dafür eine Notwendigkeit gebe, "sind wir nicht gegen die Ankunft einer internationalen Truppe", erklärte der Nordallianz-Delegationsleiter Kanuni.

US-Außenminister Colin Powell bezeichnete indes Spekulationen als haltlos, wonach die USA bei ihrem Anti-Terror-Kampf als nächstes Maßnahmen gegen den Irak planen. Die Annahme, dass "etwas unmittelbar bevorsteht, ist durch keine besondere Substanz zu untermauern", betonte er.

Aus Angst vor weiteren Bioterror-Anschlägen stocken die USA ihre Impfvorräte gegen Pocken massiv auf. Bis Ende des kommenden Jahres solle es ausreichend Impfstoff geben, um alle US-Bürger gegen die Krankheit zu schützen, sagte US-Gesundheitsminister Tommy Thompson.

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