Afghanistan : Taliban: Zweite Geisel sehr krank

Der zweite in Afghanistan entführte Deutsche ist nach Angaben der radikalislamischen Taliban "sehr krank". Der Mann leide an Diabetes und verliere immer wieder das Bewusstsein.

KandaharDer zweite in Afghanistan entführte Deutsche ist nach Angaben der radikalislamischen Taliban "sehr krank". Der Mann leide an Diabetes und verliere immer wieder das Bewusstsein, sagte Talibansprecher Jussuf Ahmadi. Er müsse meistens auf einer Trage von einem Ort zum anderen gebracht werden.

Die Bundesregierung bemüht sich weiterhin intensiv um die Freilassung des Mannes. Konkrete Angaben zum Stand der Verhandlungen wollte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes nicht machen. Auch ARD-Informationen, wonach Bundeswehr-Tornados zur Lokalisierung der Geisel-Gruppe um den deutschen Bauingenieur geholfen haben, wollten weder das Außen- noch das Verteidigungsministerium bestätigen. Am Mittag (12:30 Uhr) will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem UN-Sonderbeauftragten Tom Koenigs nach Gesprächen mit verschiedenen Ministerien zur aktuellen Lage äußern.


Die Überführung der Leiche des getöteten Bauingenieurs nach Deutschland verzögert sich unterdessen weiter. Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, ist die Rückführung des Leichnams "für den Mittwoch geplant". Die Obduktion sei für Donnerstag angesetzt. Seine Leiche weist nach Angaben des Auswärtigen Amtes Schussverletzungen auf. Die genaue Todesursache ist aber noch unklar.

Debatte um Isaf-Truppe

Das Verteidigungsministerium äußerte sich zurückhaltend zu einer stärkeren Beteiligung der Bundeswehr an der Nato-geführten Afghanistan-Schutztruppe Isaf. "Wir sollten erstmal versuchen, zu optimieren in den Aufgaben, die wir mit dem bisherigen Personal erfüllen können, dann wird man über Weiteres beraten können", sagte Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) in der ARD. Deutschland stelle derzeit etwa 3000 Soldaten für den Isaf-Einsatz zur Verfügung, hinzu kämen bis zu 500 für den Tornado-Einsatz.

Isaf-Kommandeur US-General Dan McNeill hatte in einem ARD-Hörfunkinterview gesagt, er wünsche sich ungefähr 500 bis 1000 Soldaten mehr für die Isaf auch aus Deutschland. Zuvor hatte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch gefordert. Arnold sprach sich dafür aus, dass deutsche Soldaten von ihnen ausgebildete Einheiten der afghanischen Armee auch in den Süden des Landes begleiten dürfen.

Der Bundestag stimmt im Herbst über drei Mandate ab: die Beteiligung an der Isaf-Truppe, den Einsatz von Tornados sowie die Teilnahme am US-geführten Anti-Terrorkampf (OEF). (mit AFP/dpa)

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