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Afghanistan : Toter bei Protest gegen Koran-Verbrennung

Bei Demonstrationen von Muslimen in Afghanistan gegen die geplante Koran-Verbrennung in den USA ist in der Nähe eines Bundeswehr-Stützpunkts ein Mensch getötet worden. In anderen arabischen Staaten wurde hingegen friedlich protestiert.

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In Bagdad wurde gegen die Aktion des US-Pastors bisher friedlich protestiert. Foto: AFP
In Bagdad wurde gegen die Aktion des US-Pastors bisher friedlich protestiert.Foto: AFP

Auch wenn der evangelikale Pastor Terry Jones offenbar seine bizarres Feuerspektakel am 11. September vorerst abgesagt hat, in der islamisch-arabischen Welt hat seine Absicht, dutzende Koranexemplare öffentlich zu verbrennen, scharfe Warnungen ausgelöst, aber auch Mahnungen zur Besonnenheit. „Wir verurteilen diesen Angriff auf den heiligen Koran. Aber wir rufen alle Muslime auf, höchste Zurückhaltung zu üben“, erklärte der irakische Großajatollah Ali al-Sistani, der als einer der einflussreichsten Geistlichen des schiitischen Islam gilt. Die Al-Azhar in Kairo, die höchste Lehrautorität in Glaubensfragen für den sunnitischen Islam, warnte in einer schriftlichen Stellungnahme vor den „gefährlichen Konsequenzen eines solchen Aktes“. Er werde eine Katastrophe auslösen „für Frieden und Zusammenleben der Menschen“ sowie „Wut und Ärger in der muslimischen Welt provozieren“. Chef von Al-Azhar ist seit März Großscheich Ahmed al-Tayyeb, der als moderater, aufgeklärter Mann gilt und sich für den Dialog mit dem Westen einsetzt.

Ägyptens Präsident Hosni Mubarak sprach von einem „rassistischen und abscheulichen“ Vorhaben und warnte vor einer globalen „Eskalation von Terrorismus und Extremismus“. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zeigte er sich besorgt „über mögliche gewalttätige Reaktionen in der arabischen und muslimischen Welt“. Auch Iraks amtierender Regierungschef Nuri al-Maliki äußerte die Befürchtung, die Koranverbrennung könne Extremisten „als Vorwand dienen, um noch mehr zu morden“. Die Täter des 11. September hätten mit dem Islam nichts zu tun, hieß es weiter in seiner schriftlichen Stellungnahme.

Die weltweit 1,2 Milliarden Muslime feiern von Freitag bis Sonntag mit dem dreitägigen Eid al-Fitr das Ende des Fastenmonats Ramadan. Im Gaza-Streifen nannte Hamas-Regierungschef Ismail Haniya bei einer Ansprache während des Freitagsgebets den evangelikalen Pastor aus Florida einen „kranken Irren“ und warb dafür, dessen Provokation mit einem Bekenntnis zum Koran „als unserer Verfassung“ zu beantworten und den heiligen Text auswendig zu lernen. Libanons Präsident Michel Sleiman, der selber Christ ist, ließ erklären, das heiligste Buch des Islam zu verbrennen sei „ein eindeutiger Widerspruch zu den Lehren der drei abrahamitischen Religionen und ein Schaden für den Dialog zwischen Christentum, Islam und Judentum“. Das Christentum lehre „gegenseitige Liebe und Respekt“ und das sollten sich alle Gläubigen vor Augen halten.

Weitaus schärfere Töne kamen dagegen aus Teheran. Der umstrittene Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete nach Angaben des staatlichen Fernsehens die angekündigte Koranverbrennung als „eine zionistische Verschwörung gegen die Lehren aller göttlichen Propheten“. Die Aktion werde zu einer raschen Vernichtung Israels führen, fügte er bei einem Treffen mit dem Obersten Religionsführer Ali Chamenei hinzu.

Weder im Iran noch in anderen arabischen Staaten kam es nach den Freitagsgebeten zu gewalttätigen Demonstrationen. Dagegen wurden in der afghanischen Stadt Faisabad ein Demonstrant getötet und fünf verletzt, als rund 600 Menschen den dortigen Bundeswehrstützpunkt mit Steinen bewarfen und „Tod den USA“ skandierten. Nach Angaben eines Regierungssprechers eröffneten afghanische Polizisten daraufhin das Feuer.

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