Politik : Afghanistan: Truppenstärke bleibt stabil

Jung will doch nicht mehr Bundeswehrsoldaten entsenden / Verlagerung aus Kabul in den Norden

Sven Lemkemeyer

Berlin/Kabul - Entgegen den ursprünglichen Plänen wird die Zahl der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan nicht erhöht. „Wir werden bei dem derzeitigen Kontingent bleiben“, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Donnerstag beim Besuch des deutschen Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf in Kabul. Nachdem die USA angekündigt hatten, einen Teil ihrer Truppen abzuziehen, „sei noch etwas mehr an Kontingent vorgesehen“ gewesen, „aber wir werden das derzeit nicht ausweiten, nur verlagern“, erklärte Jung.

So sollen bis Ende 2006 von den zurzeit 1400 nur noch 500 Frauen und Männer der Bundeswehr in Kabul eingesetzt werden. Das Aufgabengebiet der Bundeswehr liege in Zukunft vorrangig im Norden des Landes, sagte der Minister. Wichtigster deutscher Stützpunkt werde Masar-i-Scharif. Außer in Kabul und Masar-i-Scharif sind die Bundeswehrsoldaten auch in Regionalen Wiederaufbauteams in Kundus und Faisabad im Norden des Landes stationiert. Insgesamt sind zurzeit 2500 Soldaten beteiligt. Das Mandat des Bundestags lässt bis zu 3000 zu.

Die Isaf wurde Ende 2001 nach den Anschlägen des Terrornetzwerks Al Qaida auf die USA und dem anschließenden Sturz des Talibanregimes ins Leben gerufen, um die Sicherheit im Lande zu gewährleisten und Wiederaufbauhilfe zu leisten. Die Truppe unter UN-Mandat verfügt über 9000 Soldaten aus 36 Nationen. Ihre Zahl soll um 6000 erhöht werden. Die Bundeswehr stellt das größte Kontigent. 2006 will die Isaf sich auch in den Unruheprovinzen im Süden engagieren. Die USA, die dort im Rahmen des Antiterroreinsatzes „Enduring Freedom“ mit 19 000 Mann nach Taliban- und Al-Qaida-Anhängern suchen, wollen bis zu 3000 Soldaten abziehen.

Der Bundesverteidigungsminister äußerte in Kabul die Hoffnung, dass durch den Demokratisierungsprozess das Land so stabilisiert werde, dass Deutschland künftig eher mit weniger Soldaten vor Ort sein müsse als mit mehr. Nach den vier Attentaten, die seit Mitte des vergangenen Monats auf die Isaf verübt worden sind – bei einem war am 14. November auch ein deutscher Soldat ums Leben gekommen – wies auch Jung wie sein Vorgänger Peter Struck (SPD) auf die Gefahren der Mission hin. „Wir haben hier heimtückische Anschläge, auf die wir uns einstellen müssen.“ Allerdings bewertete er das künftige Haupteinsatzgebiet der Bundeswehr als eher sicherer.

Der Minister sagte, die Ausrüstung der Truppe sei optimal. Nach Angaben der Bundeswehr sind 400 der 950 deutschen Fahrzeuge gepanzert.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, äußerte dagegen auch Kritik an der Ausrüstung der deutschen Soldaten. Dem Tagesspiegel sagte er, zwar habe sich die Ausrüstung der Truppe in den Auslandseinsätzen insbesondere in Afghanistan deutlich verbessert. So böten die gepanzerten Fahrzeuge inzwischen ausreichenden Schutz vor Minen und Anschläge: „Bei der Sicherheit der Soldaten stehen wir heute entscheidend besser da als zu Beginn des Einsatzes, da war das zum Teil recht gewagt.“ Großen Nachholbedarf gebe es aber im Bereich der elektronischen Kommunikation. „Wir sind von den Fähigkeiten, die andere Nationen zum Teil schon haben, nämlich mit dem einzelnen Soldaten im Einsatz elektronisch kommunizieren zu können, noch Lichtjahre entfernt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar