Afghanistan : UN-Gesandter für Gespräch mit Taliban

Seoul hat für die Freilassung südkoreanischer Geiseln direkt mit den Taliban verhandelt. Diese haben jetzt der afghanischen Regierung ein offizielles Gesprächsangebot gemacht. Wie soll man mit dem Angebot verfahren?

Ruth Ciesinger

BerlinNoch Anfang April galten Gespräche mit den Taliban den in Afghanistan engagierten Nato-Staaten offiziell als Tabu – was auch SPD-Chef Kurt Beck erfahren musste. Doch inzwischen verschlechtert sich nicht nur die Sicherheitslage weiter. Seoul hat für die Freilassung südkoreanischer Geiseln direkt mit den Taliban verhandelt, diese haben jetzt der Regierung in Kabul ein offizielles Gesprächsangebot gemacht. Und Tom Koenigs, UN-Sondergesandter für Afghanistan, nennt Gespräche mit moderaten Taliban notwendig.

Bemerkenswert war in dem Zusammenhang ein Bericht der „Berliner Zeitung“. Der US- Geheimdienst CIA soll im August Gespräche mit Mitgliedern der Quetta- Schura, der Talibanführung rund um Mullah Omar, geführt haben. Angeblich, so heißt es unter Berufung auf Diplomaten in Kabul, wäre den Taliban eine Regierungsbeteiligung zugesagt worden, würden diese Al Qaida nicht länger unterstützen.

Die US-Seite reagierte darauf bis zum Abend nicht. Sollte sich die Nachricht bestätigen, würde dies ein interessantes Licht auf die Beziehung zwischen Washington und Kabul werfen, wenn die CIA über das Kabinett in Afghanistan verhandelt. Nach Ansicht von Citha Maass von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin widerspräche es auch „sämtlichen bisherigen Einschätzungen“, würde Mullah Omar in irgendeiner Form in die Regierung miteinbezogen. Der einäugige Omar war während der Talibanherrschaft in Afghanistan deren eigentlicher Führer. Er lebte in Kandahar, dort hatten die „Falken“ der Taliban ihren Sitz. Wer ihn kennt, beschreibt ihn als wortkarg und wenig geistreich. Und wie könnte den Afghanen, die unter den Taliban gelitten haben, die Wende erklärt werden? Zwar ist klar, dass viele Ziele der internationalen Gemeinschaft zu hoch gesteckt waren, und es bereits ein Erfolg wäre, könnten afghanische Sicherheitskräfte selbst das Land schützen. Hochrangige Taliban ins Kabinett zu bringen, so Maass’ Kollege Thomas Ruttig, dürfte es aber sehr erschweren, wenn nicht unmöglich machen, zum Beispiel Erfolge in der Bildung und bei den Frauenrechten zu bewahren. cir

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