Politik : Afghanistan: USA versprechen Hilfe nach Taliban-Sturz

Angesichts der erwarteten US-Angriffe gegen Afghanistan formiert sich die Opposition des Landes, um im Fall eines Sturzes des Taliban-Regimes die Nachfolge zu regeln. Der frühere afghanische König Mohammed Sahir Schah empfing am Sonntag in seinem römischen Exil eine Delegation des US-Kongresses und Vertreter der afghanischen Opposition. Ziel der Gespräche sei die Einheit der Opposition und die Vorbereitung für ein "demokratischeres Afghanistan", sagte der Vertreter der elfköpfigen US-Delegation, Al Santoli. Der UN-Beauftragte für Afghanistan, Francesc Vendrell, sprach sich für eine Beteiligung der international geächteten Taliban an den Gesprächen über die politische Zukunft des Landes aus.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Der Enkel und Berater von Ex-Monarch Sahir Schah sprach von "sehr fruchtbaren und freundlichen" Gesprächen mit der Opposition und der US-Delegation. Santoli, Berater für nationale Sicherheit im US-Kongress, sagte nach dem Treffen mit führenden afghanischen Oppositionsvertretern, Ziel der USA sei die Vernichtung des "Terrornetzes in Afghanistan". Die Basis dieses Netzes seien die Taliban. Washington fordert von den Taliban die Auslieferung des Moslemextremisten Osama bin Laden, der für die Terroranschläge vom 11. September in den USA verantwortlich gemacht wird. Zuvor hatte das Mitglied der US-Delegation, Dana Rohrabacher, Vertretern der oppositionellen afghanischen Nordallianz ein umfangreiches Hilfspaket der USA versprochen, falls die Afghanen das Taliban-Regime stürzen und bin Laden ausliefern.

Der im Jahr 1973 gestürzte Ex-König sprach sich in einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" für die Bildung einer Regierung "mit allen organisierten Parteien" aus. Die bewaffnete Opposition, die derzeit rund zehn Prozent der Fläche Afghanistans kontrolliert, könne die Taliban nicht allein stürzen. Eine führende Rolle in einer künftigen afghanischen Regierung schloss Sahir Schah erneut aus. Der Ex-Monarch will in seine Heimat zurückkehren, um einen traditionellen Ältestenrat zusammenzurufen, der das vom Bürgerkrieg zermürbte Land auf den Weg der Demokratie führen soll.

Dem "Focus" sagte der Ex-König, Afghanistan müsse mit Hilfe alliierter Kräfte befreit werden. Der 86-Jährige verglich die Situation in Afghanistan mit der des besetzten Frankreichs während des Zweiten Weltkrieges: Die Landung der alliierten Truppen in Frankreich sei "keine Eroberung durch eine fremde Nation oder Besetzung" gewesen. Die Befreier müssten in einem befriedeten Afghanistan später jene Regierung unterstützen, "die den wahren Willen unseres Volkes repräsentiert", sagte Sahir Schah.

Der Außenminister der afghanischen Exilkabinetts, Abdullah Abdullah, erklärte, seine Regierung sei zur Zusammenarbeit "mit allen afghanischen Gruppen" bereit. Zugleich wies er Berichte zurück, wonach sich die Nordallianz mit dem Ex-König auf die Bildung eines Militär- und Sicherheitsrates geeinigt habe. Am Freitag hatte ein Sprecher Sahir Schahs mitgeteilt, die Opposition wolle sich unter dem Ex-Monarchen neu formieren. Der im Jahr 1996 von den Taliban vertriebene Präsident Burhanuddin Rabbani lehnte dagegen am Samstag eine Regierung der nationalen Einheit ab. Noch am Samstag hatten sich der Sohn und Sprecher des Ex-Königs, Mustafa Saher, sowie seine Berater gegen einen Militäreinsatz in Afghanistan ausgesprochen.

Etwa 200 Taliban-Kämpfer haben nach einem Bericht der Agentur AIP der islamischen Miliz den Rücken gekehrt und sind zur Nordallianz übergelaufen. AIP meldete am Sonntag unter Berufung auf einen Sprecher der Nordallianz, Kommandeur Mohammad Suleman habe sich am Vortag mit etwa 200 Kämpfern abgesetzt. Die Taliban bestätigten die Fahnenflucht.

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