Afghanistan : Verwirrung um entführten Harald K.

Vermisster in Afghanistan: Präsident Hamid Karsai bestätigt die Entführung eines Deutschen, das Auswärtige Amt dagegen schweigt eisern.

Berlin Der Fall des in Afghanistan verschleppten Deutschen Harald K. wird immer undurchsichtiger. Der Vorsitzende der Hilfsorganisation Grünhelme, Rupert Neudeck, bestätigte Auseinandersetzungen mit dem früheren Mitarbeiter um die Veruntreuung von Geldern. Die Spekulationen über die Hintergründe der Tat reißen derweil nicht ab.

Der 42-Jährige, der seit 2003 in Afghanistan lebt, soll am Sonntag in der Provinz Herat entführt worden sein. Präsident Hamid Karsai bestätigte am Montag, dass es sich bei dem Verschleppten um einen deutschen Staatsbürger handelt, der mit einer Afghanin verheiratet und inzwischen zum islamischen Glauben übergetreten ist.

Auswärtiges Amt setzt Krisenstab ein

Das Auswärtige Amt bestätigte die Entführung dagegen auch heute nicht. Krisenstab und Deutsche Botschaft in Kabul seien um Aufklärung bemüht, sagte ein Sprecher. Er fügte aber hinzu, die Hinweise auf eine Entführung verdichteten sich. Auch der afghanische Geheimdienst NDS hat sich in den Fall eingeschaltet. Lösegeld- oder politische Forderungen gebe es bis jetzt nicht.

Grünhelme-Chef Neudeck sagte derweil, die Betrugsvorwürfe gegen den früheren Mitarbeiter könne er "eindeutig" bestätigen. Es habe "einigen Ärger" mit K. gegeben. Es bestehe weiter die Forderung der Rückgabe von veruntreuten Geldern. Tischlermeister K. hatte 2003 und 2004 für die Grünhelme in Afghanistan gearbeitet. Bevor K. nach Afghanistan ausreiste, wollte er 2003 für die Grünen in den bayerischen Landtag einziehen. Nach Angaben der Partei zog er die Kandidatur aber kurz vor der Wahl zurück und siedelte nach Afghanistan über.

Unvorsichtiges Verhalten von Harald K.?

Auch die Polizei setzte ihre Suche nach Harald K. fort und warf ihm unvorsichtiges Verhalten vor. Der Polizeichef der Provinz Herat, Mohammad Juma Adeel, sagte: "Es war seine Schuld, dass er in ein abgelegenes Dorf ging, ohne die Sicherheitskräfte zu informieren." Harald K., der seit mehreren Jahren in der westafghanischen Stadt Herat lebt, war zum Islam konvertiert und hatte eine Afghanin geheiratet. Nach Polizeiangaben war er am Sonntag auf dem Rückweg von seinen Schwiegereltern im Dorf Toteschi nach Herat-Stadt entführt worden. K. stammt aus Amberg in der Oberpfalz.

Adeel hatte gestern gesagt, möglicherweise seien Familienprobleme der Hintergrund der Entführung. K.s Ehefrau sei zuvor mit einem Afghanen verheiratet gewesen. In Herat hieß es, K. - der nach seiner Konvertierung den muslimischen Namen Abdul Rahman annahm - werde in seinem Umfeld als Afghane gesehen. Er habe sich auch selber in den vergangenen Jahren zunehmend als Afghane verstanden. (mpr/ae/dpa/ddp)

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