Afghanistan : Wird der Rahman-Prozess eingestellt?

Internationale Proteste wegen der drohenden Todesstrafe für den zum Christentum übergetretenen Afghanen Abdul Rahman haben Bewegung in den Fall gebracht. Rahman könnte für unzurechnungsfähig erklärt werden.

Kabul/Rom - Der zuständige Richter verwies den Fall am Sonntag an die Staatsanwaltschaft zurück. Diese habe er angewiesen, weitere Untersuchungen über eine eventuelle Unzurechnungsfähigkeit Rahmans zu veranlassen, sagte Richter Ansarullah Maulawisada der Nachrichtenagentur dpa in Kabul. Würde Rahman für unzurechnungsfähig erklärt, müsste der Prozess eingestellt werden. Rahman selber sagte unterdessen einem Medienbericht zufolge, er sei nicht unzurechnungsfähig und wolle am Christentum festhalten.

Der Richter sagte, Rahmans Angehörige hätten angegeben, er sei im pakistanischen Peschawar in psychischer Behandlung gewesen. Rahman selber habe während seiner Aussage vor Gericht eingeräumt, «dass er ein psychisches Problem hat» und «Stimmen höre». Staatsanwalt Abdul Wasi hatte zuvor erklärt, er halte Rahman für zurechnungsfähig, und hatte die Todesstrafe gefordert. Wasis Vorgesetzter Zemarai Amiri sagte am Sonntag, Rahman werde bereits am Montag oder spätestens in den kommenden Tagen untersucht werden.

Papst Benedikt XVI. bat unterdessen um Gnade für den Konvertiten. Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano habe sich im Namen des Kirchenführers mit der Bitte um eine Begnadigung Rahmans schriftlich an den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai gewandt, bestätigte der Vatikan am Samstag.

Rahman will einem Zeitungsbericht vom Sonntag zufolge trotz der drohenden Todesstrafe an seinem Glauben festhalten. Die italienische Zeitung «La Repubblica» zitierte Rahman mit den Worten: «Ich will nicht sterben.» Sollte Gott aber dennoch so entscheiden, werde er diesen Weg gehen. Nach Zeitungsangaben übermittelte ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der Rahman im Gefängnis bei Kabul besuchte, Fragen und Antworten des Interviews. Journalisten wurden bislang nicht zu dem 40-Jährigen vorgelassen.

"Ich bin kein Held"

Rahman sagte dem Blatt zufolge, er sei nicht unzurechnungsfähig. «Ich bin nicht verrückt und ich bin kein Held.» Er betonte: «Ich weiß, dass ich im Recht bin. Ich bedauere nichts.» Er respektiere das afghanische Gesetz und den Islam. «Aber ich habe für mich und für meine Seele entschieden, Christ zu werden. Das ist kein Vergehen.»

Beobachter halten für wahrscheinlich, dass Rahman für unzurechnungsfähig erklärt und der Prozess eingestellt wird. Nach der Scharia, der muslimischen Rechtsordnung, auf der das afghanische Rechtssystem basiert, steht auf den Abfall vom Islam die Todesstrafe. Das gilt allerdings nur, wenn der Konvertit im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist.

Deutschland, die USA und die EU haben in den vergangenen Tagen wachsenden Druck auf die afghanische Regierung ausgeübt, für eine Rettung des 40-Jährigen zu sorgen. Am Samstag hatte sich dann der Papst mit seiner Bitte um Begnadigung eingeschaltet. Am Sonntag rief Benedikt XVI. die Gläubigen auf, all jenen Christen nahe zu sein, «die wegen ihres Glaubens verfolgt werden». Der Papst kritisierte Länder, «in denen es keine Religionsfreiheit gibt oder sie, obwohl sie auf dem Papier steht, unter zahlreichen Einschränkungen leidet».

Rahman war vor zehn Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Nach Angaben des Richters hatte er vor seiner Rückkehr nach Afghanistan lange in Deutschland gelebt. Maulawisada sagte, «bislang» habe niemand von außen versucht, Druck auf das Gericht auszuüben. (tso/dpa)

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