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Afghanistan : Zahl der Toten nach Doppelanschlag in Kabul steigt auf 23

Gleich mehrfach schlagen die Taliban zu: gegen eine Militärschule und gegen ein Büro des Geheimdienstes. Bei weiteren Anschlägen starben mindestens 35 Menschen.

Radikalislamische Taliban haben in der afghanischen Hauptstadt ein Gelände der afghanischen Sicherheitskräfte angegriffen.
Radikalislamische Taliban haben in der afghanischen Hauptstadt ein Gelände der afghanischen Sicherheitskräfte angegriffen.Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

Die radikalislamischen Taliban haben in der afghanischen Hauptstadt Kabul fast zeitgleich zwei Sicherheitseinrichtungen angegriffen. Die Zahl der Todesopfer der Angriffe auf eine Polizeiwache und ein Geheimdienstbüro stieg von 16 auf mindestens 23. Das sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Kamaruddin Seddiki, am Donnerstag. Wie viele Zivilisten unter den Toten waren, blieb zunächst unklar. Die Behörden zählten am Donnerstag auch sechs tote Angreifer. Am Vorabend war noch von fünf Tätern die Rede gewesen. Sehr viel stärker stieg die Zahl der registrierten Verletzten - von 44 auf 107.

Zahl der Selbstmordanschläge in Kabul stark gestiegen

Anwohner berichteten, sie hätten eine Weile Schüsse gehört, derzeit sei es ruhig. Ein Gebäude auf dem Gelände stehe in Flammen und eine schwarze Rauchwolke steige auf. Der zweite Anschlag geschah nur kurze Zeit nach dem ersten im Osten der Stadt. Laut Innenministerium war das Ziel ein Haus des Geheimdienstes NDS. Ein Selbstmordattentäter habe sich vor dem Gebäude in die Luft gesprengt. Die Taliban bekannten sich in einem Tweet ihres Sprechers Sabiullah Mudschahid zu der Tat. Sie gaben an, dass sie drei Orte angegriffen hätten: eine Polizeistation, ein Haus des Geheimdienstes und das „Rekrutierungszentrum“ der Kabuler Stadtverwaltung. Talibanangaben sind oft übertrieben.

Die Taliban hatten am Mittwoch auch in anderen Landesteilen Anschläge verübt. In der nordafghanischen Provinz Baghlan eroberten sie ein Bezirkszentrum. In der ostafghanischen Provinz Laghman überrannten sie Sicherheitsposten und brannten das Haus eines Polizeikommandeurs nieder. Insgesamt waren dabei mindestens 35 Menschen getötet und mindestens 107 Menschen verletzt worden.

Die Zahl der Selbstmordanschläge war in Kabul im vergangenen Jahr stark gestiegen. Unter den Opfern waren viele Zivilisten. Ihre Zahl stieg um 75 Prozent, heißt es im Jahresbericht der UN zu den zivilen Opfern des Krieges. Im Januar hatten die Taliban bei einem Angriff auf das Parlament mindestens 30 Menschen getötet. Bei einem Selbstmordanschlag vor dem höchsten Gericht des Landes waren im Februar mindestens 20 Menschen gestorben. Dazu hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. (dpa)

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