Afghanistan : Zahlreiche Zivilisten bei US-Luftangriffen getötet

Bei US-Luftangriffen in der südwestafghanischen Provinz Farah sind nach Informationen afghanischer Abgeordneter mehr als 100 Zivilisten zu Tode gekommen.

KabulDas Parlament berichtete, dass mehr als 100 Dorfbewohner gestorben sind, darunter Frauen und Kinder. Die Zahl der Todesopfer könne sich noch erhöhen, weil weiterhin Menschen unter den Trümmern bombardierter Häuser lägen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte den Tod von Zivilisten. "Unser Team ist am Dienstagnachmittag in die Dörfer gegangen und hat Dutzende Leichen gesehen, darunter Frauen und Kinder", sagte eine IKRK-Sprecherin. Unter den Opfern seien ein Helfer des Roten Halbmonds und 13 seiner Familienangehörigen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai ordnete eine Untersuchung an. Er kündigte außerdem an, das Thema bei seinem Treffen mit US-Präsident Barack Obama zur Sprache zu bringen. Eine gemeinsame amerikanische und afghanische Untersuchungskommission habe sich auf den Weg nach Farah gemacht.

Vor der afghanischen Präsidentschaftswahl im August hat Karsai, der erneut kandidiert, seine Kritik am Vorgehen der ausländischen Truppen in Afghanistan deutlich verschärft. Opfer unter der Zivilbevölkerung bei Militäroperationen sorgen für zunehmenden Unmut im Volk. Karsai und die Vereinten Nationen haben die ausländischen Streitkräfte bereits mehrfach zu größerer Vorsicht aufgerufen.

Der Gouverneur Farahs sagte, bei den Luftangriffen und Gefechten seien am Montag in dem Dorf Girani im Distrikt Bala Boluk 25 Taliban-Kämpfer getötet worden. Aber auch hier sei eine große Zahl Zivilisten ums Leben gekommen. Er warf den Taliban, vor sich bei Luftangriffen in Wohnhäusern mit Zivilisten zu verschanzen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen kamen im vergangenen Jahr mehr als 2100 Zivilisten in Afghanistan gewaltsam ums Leben, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 55 Prozent der zivilen Opfer machten die UN Aufständische verantwortlich, für 39 Prozent die ausländischen und afghanischen Truppen, sechs Prozent konnten nicht zugeordnet werden. (cl/dpa)

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