Politik : Afghanistan: Zwei deutsche Soldaten in Kabul getötet

Robert Birnbaum

Bei einem Sprengstoff-Unfall sind am Mittwoch in Kabul zwei deutsche und drei dänische Soldaten ums Leben gekommen. Acht weitere Soldaten der Isaf-Friedenstruppe - fünf Deutsche und drei Dänen - wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Nach Angaben von Bundeswehr-Generalinspekteur Harald Kujat waren eine oder zwei Boden-Luft-Raketen, die entschärft werden sollten, vorzeitig detoniert. Kujat betonte, nach den vorliegenden Informationen seien alle Sicherheitsvorschriften und Verfahrensregeln sorgfältig eingehalten worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder und andere Spitzenpolitiker äußerten sich betroffen über den Unfall.

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Der Unfall ereignete sich um 13.35 Uhr deutscher Zeit (17.05 Uhr Ortszeit) auf dem Kampfmittelräumgelände in Sichtweite des deutschen Lagers in Kabul. Dort werden regelmäßig aufgefundene Munition und Sprengstoff vernichtet. Nach Kujats Bericht sollten zwei SA-3-Luftabwehrraketen sowjetischer Produktion mitsamt ihren 60-Kilogramm-Sprengköpfen durch Sprengen vernichtet werden. Eine der Raketen, möglicherweise auch beide, detonierten jedoch, bevor die Soldaten in Deckung waren. Über die Nationalität der Verletzten gab es zunächst keine Informationen. Man werde Details erst nennen, wenn die Informationen zweifelsfrei verifiziert seien, sagte Kujat. Auch war zunächst nicht klar, ob die Schwerverletzten außer Lebensgefahr waren. Sie wurden im Luftlande-Rettungszentrum im deutschen Lager und im französischen Lazarett in der Innenstadt von Kabul versorgt. Kujat sagte, sie könnten nötigenfalls jederzeit zur weiteren Behandlung nach Deutschland geflogen werden.

Auch die Ursache der vorzeitigen Explosion war bislang nicht bekannt. Kujat betonte aber, bei den Kampfmittel-Räumern habe es sich um erfahrene, hervorragend ausgebildete und mit allem notwendigen Material ausgestattete Soldaten gehandelt. Alle Verfahren und Sicherheitsbestimmungen seien eingehalten worden. Auf eine absichtliche Manipulation der Raketen gebe es keinerlei Hinweise. Er gehe davon aus, dass das Geschoss sehr sorgfältig vorher untersucht worden sei. "Das ist ein sehr tragischer Unfall", sagte der Generalinspekteur. "Offensichtlich ist man vor solchen Unglücken nicht gefeit."

Politiker aller Parteien reagierten betroffen. Bundespräsident Johannes Rau sprach sein Mitgefühl aus. Auch Bundeskanzler Schröder zeigte sich "tief berührt". Er betonte zugleich, es handele sich um ein Unglück, das die Beteiligung an dem Isaf-Friedenseinsatz nicht in Frage stelle. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping brach einen Truppenbesuch in Afrika ab.

Als Reaktion auf die Kritik an seiner Informationspolitik hatte Schröder schon zuvor die Partei- und Fraktionschefs für Montag zu einer Unterrichtung über den Afghanistan-Einsatz eingeladen. Dabei könnte es auch um die Zukunft des Mandats und die Forderung der Übergangsregierung in Kabul nach einer Ausweitung der internationalen Truppenpräsenz gehen.

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