Afghanistan : Zwei DHL-Mitarbeiter durch Schießerei in Kabul getötet

Unbekannte haben am Samstag in Kabul zwei Ausländer erschossen. Ein Streit zwischen den DHL-Mitarbeitern und ihren afghanischen Sicherheitsleuten führte womöglich zu der Schießerei. Erste Annahmen, bei den Opfern handele es sich um Deutsche, konnten nicht bestätigt werden.

Kabul
Spuren der Schießerei in Kabul. -Foto: AFP

KabulIm Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul sind zwei ausländische Mitarbeiter des deutschen Logistikkonzerns DHL sowie ein Afghane erschossen worden. Bei den ausländischen Opfern handelte es sich um einen britischen und einen südafrikanischen Mitarbeiter des Tochterunternehmens der Deutschen Post. "Ich kann bestätigen, dass ein britischer und ein südafrikanischer Staatsbürger getötet wurden", sagte ein Sprecher der britischen Botschaft am Samstag in Kabul. In Südafghanistan wurden derweil zwei Mitarbeiter einer Hilfsorganisation aus Bangladesch entführt. Im Osten des Landes verschleppten Unbekannte zwei Türken und ihren afghanischen Fahrer.

Zunächst hatte es Berichte gegeben, wonach die beiden getöteten Ausländer möglicherweise Deutsche seien. Diese bestätigten sich aber im Laufe des Tages nicht. Der Vorfall ereignete sich laut DHL gegen 8.30 Uhr (Ortszeit) vor der DHL-Niederlassung in Kabul. "DHL unterstützt die zuständigen Einheiten bei der Aufklärung der Umstände, die zu diesem schrecklichen Ereignis geführt haben", hieß es in einer Erklärung.

Streit mögliche Ursache für Schießerei

Nach Angaben der afghanischen Polizei wurden zwei weitere Menschen bei der Schießerei verletzt. Die Hintergründe der Tat seien unklar. Möglicherweise habe es zuvor Streit zwischen den ausländischen DHL-Mitarbeitern und afghanischen Wächtern gegeben, hieß es. Augenzeugen gaben an, die Schießerei habe sich ereignet, nachdem die DHL-Mitarbeiter aus ihrem Büro gekommen seien, um in einen Wagen zu steigen.

In den vergangenen Wochen häuften sich in Kabul gewaltsame Angriffe. Erst am Montag war eine britisch-südafrikanische Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Serve Afghanistan auf offener Straße erschossen worden. Die beiden Täter entkamen auf einem Motorrad. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu der Ermordung der 34-Jährigen.

Mitarbeiter einer Hilfsorganisation entführt

Die bangladeschische Hilfsorganisation BRAC teilte am Samstag mit, in der südafghanischen Provinz Ghasni seien zwei ihrer Mitarbeiter entführt worden. Wer die beiden Helfer am Freitag verschleppt habe, sei unklar. BRAC hilft unter anderem beim Bau von Schulen und Kliniken. Die Organisation hat in Afghanistan rund 4700 Mitarbeiter, die meisten davon sind Einheimische.

Nach Angaben der Regionalregierung der Provinz Khost wurden im Grenzgebiet zu Pakistan zwei Türken sowie deren afghanischer Fahrer verschleppt. Die beiden Männer hatten demnach den Auftrag, einen Sendemast nahe der Grenze aufzubauen. Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban machte Kriminelle für die Tat verantwortlich.

Verteidigungsminister spricht bei Trauerfeier von "gefallenen Soldaten"

Der Deutsche Bundeswehrverband begrüßte derweil ausdrücklich, dass Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bei der Trauerfeier für die zwei am Montag in Afghanistan getöteten deutsche Fallschirmjäger erstmals von "gefallenen Soldaten" gesprochen hatte. Die "neue Wortwahl" sei eine bedeutende politische Wende, sagte der Sprecher des Interessenverbandes der Soldaten, Wilfried Stolze, der "Rheinischen Post" vom Samstag.

Die Nato erhöhte den Druck auf die Bundesregierung, das deutsche Engagement in Afghanistan weiter auszuweiten. Oberbefehlshaber John Craddock erinnerte in der "Stuttgarter Zeitung" vom Samstag an seine Anfrage vom Sommer, Flugzeuge des Awacs-Aufklärungsverbands der Nato bereitzustellen, da es im Luftraum am Hindukusch in den vergangenen Monaten 20 Beinahe-Zusammenstöße gegeben habe. "Deswegen brauchen wir die Awacs sofort", sagte Craddock, der die am vergangenen Donnerstag beschlossene Truppenaufstockung der Bundeswehr ausdrücklich begrüßte. (saw/AFP)

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