Afghanistan : Zwei italienische Soldaten gewaltsam befreit

Die beiden italienischen Soldaten, die seit Samstag im Westen Afghanistans vermisst wurden, sind von einem Einsatzkommando der Nato befreit worden. Bei der Aktion wurden beide verletzt, einer von ihnen schwer.

Rom/KabulDie Befreiungsaktion fand offenbar in der Provinz Farah an der iranischen Grenze statt. Die beiden Militärs seien von einem Einsatzkommando der Nato aus der Gewalt ihrer Entführer befreit worden. Dabei seien beide verletzt worden, einer davon schwer, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Rom. Die italienische Botschaft in Kabul bestätigte die Befreiung. Die Nato-geführte ISAF teilte mit, alle acht oder neun Entführer seien getötet worden.

Der Militäreinsatz wurde vom italienischen Nato-Kontingent geplant und geleitet und von britischen Soldaten unterstützt, wie der italienische Verteidigungsminister Arturo Parisi bekannt gab. Die Verletzten wurden inzwischen in ein Krankenhaus der Isaf-Truppen gebracht. Die beiden Italiener waren am Samstag in der westlichen Provinz Herat entführt worden. Zusammen mit einem afghanischen Fahrer und einem Dolmetscher hatten sie eine Kontrollstelle der Polizei passiert und waren anschließend verschwunden. Die beiden Afghanen waren am Sonntagabend wieder aufgetaucht.

Entführer "unabhängig" von Taliban?

Der Chef der Kriminalpolizei von Herat sagte, dass laut afghanischen Geheimdiensten ein örtlicher Taliban-Kommandeur namens Mollah Abdul Hamid für die Verschleppung der beiden Soldaten verantwortlich sei. Diese seien in ein Gebiet zwischen der westlichen Provinz Farah und dem in der Provinz Herat gelegenen Distrikt Schindand gebracht worden. Bei den Entführern soll es sich um eine "unabhängige Gruppe" handeln. Diese Information müsse aber überprüft werden. Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban hatte zuvor versichert, er wisse nichts über das Schicksal der Soldaten.

Italien beteiligt sich mit rund 2000 Soldaten an der Afghanistan-Stabilisierungstruppe Isaf. Die Italiener sind in Kabul und im als vergleichsweise ruhig geltenden Westen stationiert. In Afghanistan wurden bisher drei weitere Italiener entführt. Der Journalist Daniele Mastrogiacomo wurde im März gekidnappt und nach drei Wochen festgehalten. Der Fotograf Gabriele Torsello wurde im Oktober vergangenen Jahres verschleppt und ebenfalls nach drei Wochen freigelassen. Die Entwicklungshelferin Clementina Cantoni blieb im Mai 2005 in Kabul 24 Tage in der Gewalt von Geiselnehmern. (mit AFP)

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