Afghanistanbesuch : Guttenberg: Bundeswehr in Kundus wird aufgestockt

Der neue Bundesverteidigungsminister hat die Truppen in Afghanistan besucht. Am Freitag traf Guttenberg in Kundus ein, wo die Bundeswehr zuletzt verstärkt unter Beschuss geraten ist. Dort kündigte er an, weitere 120 Soldaten in die Unruheregion zu schicken.

Angesichts der verschärften Sicherheitslage würden die Eingreifkräfte der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus deutlich aufgestockt, kündigte der Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an. Ab Mitte Januar komme eine zusätzliche Einsatzkompanie der Bundeswehr mit 120 Soldaten in die Unruheregion. Sie verstärken die bereits dort stationierten 450 deutschen Eingreifkräfte. In Kundus war die Bundeswehr in den vergangenen Monaten verstärkt unter Beschuss von Aufständischen geraten. Vor diesem Hintergrund hatte Guttenberg betont, dass es sich nach seiner Einschätzung um „kriegsähnliche Zustände in Teilen Afghanistans“ handele. 

Anlässlich eines Antrittsbesuches bei der Bundeswehr im Kundus erklärte der Bundesverteidigungsminister: „Hier ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.“ Der Minister wollte dem bei Kundus stationierten Wiederaufbauteam (PRT) der Bundeswehr einen Besuch abstatten und sich ein Bild von der Lage in der Region machen, in der es in jüngster Zeit immer wieder zu Angriffen auf Bundeswehr-Patrouillen gekommen war.

Das PRT war bis Ende September von Oberst Georg Klein geführt worden, der wegen des umstrittenen, von ihm angeforderten Luftschlages auf von Taliban gekaperte Tanklastzüge nahe Kundus in die Kritik geraten war.

Am Donnerstagabend hatte Guttenberg in einer Rede vor mehreren hundert Soldaten im Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif gesagt: „Afghanistan wird uns sicher noch eine Weile fordern.“ Zugleich machte der Minister deutlich, dass er eine Bundeswehr bevorzugt, deren Soldaten auf Gefühl achten. Im Soldatenberuf gehe es eben nicht nur darum, „kühl dem Soldatentum als solches nachzugehen“. Emotionen spielten eine wesentliche Rolle. Für ihn selbst sei sein neues Amt ein „Herzensanliegen“.

In Kabul, wo sich Guttenberg noch Tags zuvor aufhielt, kam es zu einem Selbstmordanschlag. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Semarai Baschari, sagte, ein Attentäter habe sich vor einer Militärbasis im Osten der Stadt in die Luft gesprengt. Über mögliche Opfer und das konkrete Ziel des Anschlags sei nichts bekannt. Der Bundestag entscheidet im Dezember über eine Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes. (jg/dpa)

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