Afghanistans Zukunft : Die Freiheit der Schurken

18.02.2012 00:00 Uhrvon , Christine Möllhoff
Die Präsidenten von Pakistan, Afghanistan und Iran, Zardari, Karsai und Ahmadinedschad nahmen an der Konferenz in Islamabad teil. Foto: dpa
Die Präsidenten von Pakistan, Afghanistan und Iran, Zardari, Karsai und Ahmadinedschad nahmen an der Konferenz in Islamabad teil. - Foto: dpa

Teheran, Kabul und Islamabad beraten über die Zukunft Afghanistans. Es eint der wachsende Zorn auf die USA – die auch nicht dabei sein dürfen.

Es ging um Gespräche mit den Taliban, die Zukunft Afghanistans und der ganzen Region, doch die USA waren nicht eingeladen. Bei einem Gipfel in Islamabad haben die Präsidenten von Afghanistan, Pakistan und des Iran am Freitag versucht, Chancen für eine regionale Lösung und ein Ende des Blutvergießens auszuloten. Selbst der „Lieblingsschurke“ der USA, Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad, reiste aus Teheran an. Allein dies dürfte in den USA für gehöriges Stirnrunzeln gesorgt haben.

Die Bundesregierung dagegen reagierte gelassen. „Wir unterstützen die inner-afghanische Aussöhnung und den regionalen Ausgleich“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Mit Blick auf die Nachbarstaaten Afghanistans gelte, dass der politische Prozess nur erfolgreich sein könne, wenn er auch von der Region mitgetragen werde. „Daran werden wir jede Initiative messen“, sagte der Sprecher.

Ohnehin war der Gipfel des „Trio infernale“ vor allem ein warnender Wink an Washington: Demonstrativ wollten Ahmadinedschad, Afghanistans Präsident Hamid Karsai und sein pakistanischer Amtskollege Asif Ali Zardari zeigen, dass sie auch eine Lösung an den USA vorbei zimmern könnten. Alle drei Länder eint wachsender Zorn auf die US-Politik. Die Afghanen fürchten, vom Westen abserviert zu werden. In Pakistan fühlt man sich vom Verbündeten USA über den Tisch gezogen. Und die US-Töne gegenüber Teheran sind ohnehin derart gereizt, dass einige US-Analysten bereits über einen Krieg Ende dieses Jahres spekulieren.

Besonders empört die drei Regionalmächte, dass die USA sie bei den Vorgesprächen mit den Taliban in Katar nicht eingebunden haben. Immerhin betrifft jede Lösung zunächst sie und nicht die Bürger Amerikas. Die zentralen Streitfragen lauten: Wer hat die Verhandlungshoheit? Wessen Handschrift trägt ein möglicher Deal? Und wessen politischen Zielen dient er – denen Afghanistans, der Region oder vorrangig denen der USA?

Karsai pocht darauf, dass das Mandat bei Afghanistan liegt. Die USA hätten nicht das Recht, im Namen der Afghanen mit den Taliban zu verhandeln, zürnte er. Auch Pakistan und der Iran stellten sich nun hinter einen von „Afghanistan geführten“ Friedensprozess und damit indirekt gegen eine Führungsrolle der USA. „Die Probleme der Region müssen regional gelöst werden“, forderte Ahmadinedschad. Es gibt nur ein Problem: Die Taliban wollen partout nicht mit Afghanistans Präsidenten reden. Boshaft dementierten sie prompt Karsais Aussagen im „Wall Street Journal“, Gespräche hätten begonnen. Sie würden nicht mit der afghanischen „Marionettenregierung“ reden, erklärte ihr Sprecher.

Doch da könnte Pakistan ins Spiel kommen. Angeblich beherbergt es weiter die Spitze der afghanischen Taliban und pflegt enge Bande mit ihnen. Beinahe flehentlich drängt Karsai Pakistan seit Wochen, deren Führungsclique um Mullah Omar zu Gesprächen mit seiner Regierung zu zwingen. Doch bisher ziert sich Islamabad und wies das Ansinnen als „absurd“ zurück. Auch der Dritte im Bunde, der Iran, spielt eine Schlüsselrolle: Iran unterstützt kräftig die Nordallianz, also die Gegner der Taliban.

Wer einen Bürgerkrieg nach Abzug des Westens in Afghanistan abwenden will, braucht nicht nur Pakistan, sondern auch den Iran an Bord, so wenig dies den Amerikanern schmecken mag. Die USA wären gut beraten, den Gipfel nicht als Affront zu begreifen, sondern als Chance, die wichtigsten Parteien auf Friedenskurs zu bringen. Doch noch ist nicht sicher, ob sich die drei wirklich auf eine Linie verständigen können. In der Vergangenheit kochten alle am Hindukusch ihr eigenes blutiges Süppchen. Das Misstrauen sitzt tief, und die Interessen sind kaum deckungsgleich.

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