"Africom-Zentrale" : US-Kommandostelle für Afrika mit Sitz in Stuttgart

Das US-Verteidigungsministerium richtet in Stuttgart ein eigenes Einsatzführungskommando für den afrikanischen Kontinent ein. Langfristig sollen rund 500 Personen für das Kontingent arbeiten.

Washington - Mit Blick auf das befürchtete Erstarken des Terrornetzwerks Al Qaida in Afrika wollten die USA ein neues Einsatzführungskommando einrichten, um militärische Einsätze auf dem Kontinent besser koordinieren zu können. Das neue Kommando werde die Sicherheitszusammenarbeit verbessern und neue Möglichkeiten zur Stärkung der afrikanischen Partner bieten, erklärte US-Präsident George W. Bush. Seine Regierung werde sich hierzu mit den politischen Führern in der Region beraten. Nach einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" soll das Afrika-Kommando Africom zunächst in Stuttgart angesiedelt werden.

US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte vor dem Streitkräfteausschuss im Senat, das neue Einsatzführungskommando werde eine "leistungsfähigere Herangehensweise" erlauben als die derzeitige Regelung, bei der sich das Europa-Kommando und das vor allem für den Nahen Osten zuständige Zentralkommando (Centcom) der US-Armee die Zuständigkeit für Afrika teilen. Dies sei "eine überholte Einrichtung, die noch aus dem Kalten Krieg übrig ist", sagte Gates. Das Afrika-Kommando wird die fünfte US-Kommandozentrale für eine bestimmte Region mit einem Vier-Sterne-General an der Spitze.

Ansiedlung in Afrika Ende 2008

Bush sagte, er werde mit den afrikanischen Verbündeten über einen geeigneten Standort für das Einsatzkommando beraten. Als angepeilten Termin für die Ansiedlung in Afrika nannte Bush Ende 2008. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" wird das Afrika-Kommando zunächst in den Kelly Barracks im Stuttgarter Stadtteil Möhringen angesiedelt. "Wir haben diese Woche mit dem Umzug begonnen", sagte Eucom-Sprecherin Holly Silkman der Zeitung. Mittelfristig solle der Standort Stuttgart durch mehr Personal aufgewertet werden. Langfristig wolle man Africom in Afrika selbst ansiedeln. "Das ist aber Zukunftsmusik."

Nach Einschätzung der USA finden in zahlreichen afrikanischen Staaten Extremisten Unterschlupf. Washington will verhindern, dass Mitglieder des Al Qaida-Netzwerks Afrika - wie bereits Afghanistan - als so genannten sicheren Hafen nutzen. Laut US-Außenministerium ist dies in Somalia bereits der Fall. Die Aktivitäten terroristischer Elemente in dem Land gefährdeten die Stabilität am Horn von Afrika, sagte die für Afrika zuständige Vize-Außenministerin Jendayi Frazer. Nach Angaben Senegals wollten ranghohe US-Offiziere bei einem Treffen mit Armeevertretern aus neun westafrikanischen Staaten über die Bekämpfung Terrorverdächtiger diskutieren. (tso/AFP/dpa)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar