Afrika : Enttäuscht von Obama und alarmiert wegen der Folgen

Für die afrikanischen Delegationen ist der Ausgang des Kopenhagener Klimagipfels eine Enttäuschung.

Dagmar Dehmer/Ulrike Scheffer

Kopenhagen/Berlin - Pa Ousman Jarju, der Chefverhandler Gambias, sagte, es bleibe ihnen nichts anderes übrig, als „weiter Druck zu machen“. Denn es seien mehr Dürren, mehr Fluten und ein Sinken der Lebensmittelproduktion zu befürchten, wenn die globale Erwärmung nicht gestoppt werde. „Ein Meter Meeresspiegelanstieg würde unsere Hauptstadt Banjul auslöschen.“ Obwohl die Afrikaner sich ein rechtlich verbindliches Abkommen gewünscht hätten und vor allem auf eine Fortsetzung des Kyoto-Protokolls drängten, das Industrieländer verpflichtet, ihren Kohlendioxidausstoß zu vermindern, sind die meisten froh, dass zumindest schnell mit Geld zur Bewältigung der Klimafolgen zu rechnen ist. Aus diesem Grund warben Lesotho, Ghana, Südafrika und Äthiopien beim Abschlussplenum in Kopenhagen dafür, den vom amerikanischen Präsidenten mit China, Indien, Brasilien und Südafrika ausgehandelten Kompromissantrag zumindest nicht scheitern zu lassen.

Es sei naiv gewesen, alle Hoffnungen auf US-Präsident Barack Obama zu richten, sagt Nke Ndih, Umweltaktivist aus Kamerun. „Obama hat zwar einen afrikanischen Vater, doch er selbst ist Amerikaner, und als solcher muss er auf die eigene Industrielobby Rücksicht nehmen“, sagte Ndih dem Tagesspiegel. Die Interessen der Afrikaner hingegen seien in Kopenhagen zu wenig wahrgenommen worden: „Afrika wurde lediglich als Block gehört und damit auf eine einzige Stimme reduziert. Das ist nicht fair angesichts der Tatsache, dass afrikanische Staaten mehr als andere unter dem Klimawandel leiden.“ Die finanziellen Zusagen des Gipfels für Entwicklungsländer hält er für wenig hilfreich: „Die Armen unseres Kontinents brauchen kein Geld, sie sind auf eine intakte Umwelt angewiesen, um zu überleben.“

Wie wichtig dies für die Ernährungssicherheit in armen Ländern vor allem in Afrika ist, steht auch für Josette Sheeran, die Chefin des Welternährungsprogramms WFP, außer Frage. Das Risiko sei die neue Normalität in Zeiten des Klimawandels, sagte sie dem Tagesspiegel. „Ich befürchte, dass die Zahl der Bedürftigen so groß wird, dass wir es nicht mehr schaffen werden, sie zu ernähren, wenn wir jetzt nichts tun.“ Das WFP habe gemeinsam mit Bauern überall in Afrika Anpassungstechniken erprobt. Sie nennt als Beispiel die Pflanzung von 40 000 Bäumen außerhalb der malischen Stadt Timbuktu, die Reisfelder sichern sollten und nun nach mehr als 20 Jahren so effektiv den Grundwasserspiegel konstant halten, dass die Bauern keine Nahrungsmittelhilfe mehr bräuchten, sondern etwas Hilfe, um ihre Überschüsse zu exportieren. Doch wenn die klimatischen Bedingungen sich weiter verschlechterten, sei es immer schwieriger Menschen in chronischen Hungergebieten am Leben zu erhalten. Sheeran weist darauf hin, dass die Folgen der Erwärmung beispielsweise in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur dazu geführt hätten, dass weitere Brunnen ausgetrocknet seien und die Wüste sich weiter ausgebreitet habe. „Selbst wenn der Krieg enden und die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren könnten, dort könnten viele von ihnen nicht mehr überleben“, sagt Josette Sheeran. Dagmar Dehmer/Ulrike Scheffer

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