Afrika : Hass auf den weißen Mann

Dem enteigneten Farmer Roy Bennett wird in Simbabwe der Prozess gemacht – der Mitstreiter der Opposition soll nicht Minister werden

Wolfgang Drechsler[Kapstadt]
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In Simbabwe droht der vor neun Monaten gebildeten Einheitsregierung eine weitere Zerreißprobe. Grund für die jüngsten Turbulenzen ist der in dieser Woche im Obergericht von Harare begonnene Prozess gegen den weißen Farmer Roy Bennett, einem engen Vertrauten von Premierminister Morgan Tsvangirai, dem langjährigen Führer der oppositionellen „Bewegung für einen demokratischen Wandel“ (MDC). Bennett gilt seit langem als Hauptfeind von Staatschef Robert Mugabe und dessen Zanu-Partei, die Simbabwe seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1980 beherrscht aber die Macht seit Februar mit der MDC in einer Einheitsregierung teilen soll.

Seit Jahren wird Bennett von dem Mugabe-Regime unter immer neuen Vorwänden verfolgt: Die Anklage lautet auf Terrorismus, Umsturz und Sabotage. Allerdings gibt es dafür keine konkreten Beweise, zumal der einzige Belastungszeuge – ein deutschstämmiger Waffenhändler - bereits wissen ließ, seine belastenden Aussagen unter Folter gemacht zu haben.

Es deutet vieles darauf hin, dass Bennett mit Hilfe der von Mugabe manipulierten Justiz daran gehindert werden soll, einen Posten in der Einheitsregierung zu übernehmen. Hauptzeuge der Staatsanwaltschaft ist der Waffenhändler Peter Michael Hitschmann. Im Prozess gegen Hitschmann war die angebliche Rolle Bennetts als Geldgeber von Waffenkäufen und Sabotageakten gegen Mugabe gar nicht zur Sprache gekommen. Hitschmann war wie Bennett des Terrorismus angeklagt, aber später von dieser Anklage freigesprochen worden. Bennett selbst hat immer wieder bestritten, Waffen für einen Umsturz Mugabes gekauft zu haben. Sollte der Farmer vom Gericht dennoch für schuldig befunden werden, droht ihm die Todesstrafe.

Begründet liegt der Hass Mugabes auf Bennett in der hohen Popularität des weißen Farmers unter schwarzen Simbabwern. Bennett hatte seinen Wahlkreis im Osten des Landes wiederholt mit einer gewaltigen Mehrheit gewonnen, obwohl Weiße dort nur einen winzigen Teil der Wähler stellen. Dies erschwert es Mugabe, den Konflikt in Simbabwe als einen Kampf zwischen Schwarz und Weiß darzustellen, wie er dies zu tun pflegt.

Um Bennett für seine langjährige Unterstützung der Opposition zu bestrafen, hatte das Mugabe–Regime Bennetts Kaffee- und Rinderfarm bereits vor mehreren Jahren willkürlich enteignet und dies damit begründet, dass Bennetts Vorfahren Diebe und Mörder gewesen seien. Bennett hatte daraufhin im Parlament die Fassung verloren und den Justizminister zu Boden geschubst. Der Farmer war daraufhin zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Im Anschluss an die Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe in einem der berüchtigten Gefängnisse des Landes floh er 2006 aufgrund der nun gegen ihn erhobenen Terrorismusvorwürfe ins südafrikanische Exil, aus dem er erst zu Jahresbeginn zurückgekehrt war.

Die Verfolgung Bennetts durch Mugabe und dessen Helfer in Justiz, Geheimdienst und Armee ist jedoch auch nach der vermeintlichen Machtteilung von Zanu und MDC unvermindert heftig weitergegangen: Seit Monaten sträubt sich Mugabe, den von der MDC zum stellvertretenden Landwirtschaftsminister bestimmten Bennett in das Kabinett aufzunehmen. Stattdessen wurde der weiße Farmer im Februar, unmittelbar vor seiner geplanten Vereidigung, festgenommen und für drei Wochen unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. Als das Regime Bennett im letzten Monat erneut willkürlich verhaftete, riss Tsvangirai der Geduldsfaden: Angesichts der völlig fehlenden Kooperationsbereitschaft Mugabes zog er die MDC aus der Einheitsregierung zurück und appellierte an Afrikas Führer, den Diktator zur Räson zu bringen.

Umso überraschender mutet es an, dass Tsvangirai letzte Woche nach einem Gipfel der Regionalorganisation SADC in die Einheitsregierung zurückkehrte. Allerdings knüpfte er ihren Fortbestand an eine schnelle Lösung der vielen strittigen Fragen, darunter eine Einstellung des Verfahrens gegen Bennett. Wie die Neuaufnahme des Verfahrens gegen Bennett zeigt, deutet jedoch wenig darauf hin, dass Mugabe dieser Forderung nachkommen wird. Offenbar befürchtet der Diktator noch immer, für die von ihm begangenen Verbrechen strafrechtlich belangt zu werden, falls er die Macht aus der Hand gibt.

Unterdessen gehen die Besetzungen weißer Farmen unvermindert weiter. Nach Angaben der Commercial Farmers Union wurden seit Bildung der Übergangsregierung vor neun Monaten 76 Farmer mit ihren Arbeitern von ihren Höfen vertrieben. Seither kam es jeden Monat zu 200 gewalttätigen Übergriffen auf weiße Farmer. Inzwischen leben von den einst 4500 weißen Landwirten nur noch knapp 400 auf ihren Farmen.

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