Afrika : Kontinent der Sorgen

Bürgerkriege, Machtkämpfe, Naturkatastrophen – versinkt Afrika im Chaos? Ein Überblick, aber auch ein paar gute Nachrichten.

Dagmar Dehmer
Kenia Foto: dpa
Kenianische Flüchtlinge vor der Rückkehr nach Hause. -Foto: dpa

KENIA

Knapp 1000 Menschen sind nach Regierungsangaben seit Ende Dezember 2007 getötet worden, rund 300 000 Menschen sind auf der Flucht. Nachdem Präsident Mwai Kibaki nach übereinstimmender Ansicht sämtlicher Wahlbeobachter zu Unrecht zum Präsidenten erklärt worden ist, erlebte Kenia einen so noch nicht gesehenen Gewaltausbruch, der zunehmend entlang ethnischer Linien verläuft. Seit knapp drei Wochen versucht der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan zwischen dem Regierungslager um Kibaki und dem Lager seines Widersachers Raila Odinga zu vermitteln. Er hofft, dass bis Anfang kommender Woche eine Lösung für den politischen Konflikt steht. Die Krise dürfte damit jedoch nicht ausgestanden sein. Denn in der Nachwahlwut sind vor allem Landkonflikte aufgebrochen, die zum Teil schon seit der Unabhängigkeit Kenias 1963 bestehen und nie gelöst wurden. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen. Allein im Tourismus sind seit der Wahl 30 000 Jobs verloren gegangen. Die wirtschaftlichen Schäden bezifferte die Regierung schon vor drei Wochen auf mehr als eine Milliarde US-Dollar. Wenn Kenia sich nicht bald stabilisiert, könnte es ganz Ostafrika mit in den Abgrund ziehen – zum einen wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen, aber auch, weil Kenia ein stabilisierender Faktor in einer ausgesprochenen Krisenregion war: Äthiopien und Eritrea schrammen ständig an einem neuen Grenzkrieg vorbei, Somalia ist seit 1991 kein Staat mehr, und die Belagerung durch Äthiopien vor einem guten Jahr hat keine Besserung gebracht; im Südsudan versucht eine Gesellschaft nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg einen Neuanfang, buchstäblich aus dem Nichts.

UGANDA/KONGO

Die Friedensverhandlungen zwischen der ugandischen Regierung und der brutalen Rebellenarmee von Joseph Kony, der LRA, sind in einer entscheidenden Phase. Kony, der inzwischen vom Internationalen Strafgerichtshof mit einem internationalen Haftbefehl gejagt wird, musste sein Versteck im Südsudan aufgeben und flüchtete sich in den Ostkongo. Ölfunde im Grenzgebiet machen einen Friedensvertrag für den Präsidenten Yoweri Museveni inzwischen ziemlich dringlich. Die LRA ist geschwächt, im Norden des Landes kehren tausende Menschen in ihre zerstörten Dörfer zurück und hoffen, dass die marodierenden Banden nie wieder zurückkommen. Im Ostkongo tragen Kony und seine Leute allerdings nicht zur Stabilisierung bei. Und ob ein vor wenigen Wochen abgeschlossener Waffenstillstand zwischen dem lange von Ruanda unterstützten abtrünnigen General Laurent Nkunda und der Regierung in Kinshasa unter Joseph Kabila hält, muss sich erst noch zeigen. Ostkongo ist trotz der erfolgreichen Wahl 2006 nicht zur Ruhe gekommen. Bis vor wenigen Wochen fanden entsetzliche Menschenrechtsverletzungen statt. Die Demokratische Republik Kongo ist noch lange nicht über den Berg.

GHANA

Wenn Afrikakenner gefragt werden, ob es nicht auch gute Nachrichten vom Nachbarkontinent gibt, wird immer Ghana genannt. In wenigen Monaten wird dort gewählt. Präsident John Kufuor tritt nicht mehr an. Seit Anfang der 90er Jahre ist Ghana auf dem Weg zu einer Demokratie. Doch trotz reicher Bodenschätze sind die meisten Einwohner noch nicht aus ihrer Armut herausgekommen. Vor einem halben Jahr wurde vor der Küste Ghanas Erdöl gefunden. Sollte Ghana die Öleinnahmen in die Armutsbekämpfung stecken, wäre es das erste Land auf dem Kontinent, in dem der Reichtum tatsächlich allen zugutekommt.

SUDAN/TSCHAD/

ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK

Der Tschad ist in den Schlagzeilen, weil der durch einen Putsch 1990 an die Macht gekommene Präsident Idriss Déby sich seit einer Woche wieder einmal gegen einen Putschversuch von Rebellen wehren muss. Das Ergebnis waren mindestens 100 Tote in der Hauptstadt N’dschamena und 30 000 Flüchtlinge. Doch die eigentliche Krise spielt sich im Osten des Landes ab, an der Grenze zur westsudanesischen Krisenregion Darfur. In Darfur sind mindestens 200 000 Menschen von mit der Regierung verbündeten Reitermilizen, den Dschandschawid, getötet und 2,4 Millionen Menschen vertrieben worden. Etwa 300 000 sudanesische Flüchtlinge leben in Lagern im Tschad. Weitere 200 000 Menschen sind Binnenvertriebene aus dem Tschad, weil der 2003 ausgebrochene Konflikt sich auf die Nachbarländer, auch auf die Zentralafrikanische Republik, ausgeweitet hat. Von dort sind rund 40 000 Menschen in den Tschad geflüchtet, nachdem Déby 2003 dort einen Coup unterstützt hatte. Sie alle können derzeit kaum noch versorgt werden.

SÜDAFRIKA

Im kommenden Jahr wird in Südafrika ein neuer Präsident gewählt. Die besten Chancen, Nachfolger von Thabo Mbeki zu werden, hat Jacob Zuma, der sich Ende 2007 gegen Mbeki als Chef des African National Congress durchgesetzt hat. Südafrika erlebt ein beachtliches Wirtschaftswachstum, doch die Schere zwischen Arm und Reich konnte die Regierung Mbeki nicht schließen. Dass Mbeki Zumas Durchmarsch einfach hinnimmt, ist nach dem monatelangen Machtkampf der beiden kaum zu erwarten.

SIMBABWE

Die Wirtschaftskrise Simbabwes begann im Jahr 2000. Inzwischen leidet das Land unter einer Inflation von 8000 Prozent. Im kommenden Monat will sich der diktatorisch herrschende Präsident Robert Mugabe wiederwählen lassen. Seine Wiederwahl ist nahezu sicher, obwohl er seit dieser Woche einen Gegenkandidaten aus der eigenen Partei hat, seinen früheren Finanzminister Simba Makoni. Die Opposition dagegen konnte sich nicht auf einen Kandidaten einigen und tritt mit zwei Gegnern Mugabes an.

SAMBIA/MOSAMBIK

Sambia und Mosambik erleben seit Anfang Dezember die schlimmsten Überschwemmungen seit vielen Jahren. Zehntausende mussten evakuiert werden, die Ernten sind vernichtet. Nach der Flut kommt der Hunger. Im Süden Afrikas lassen sich seit mehreren Jahren die Folgen des Klimawandels für den Kontinent live beobachten. Nach einer jahrelangen Dürre erlebt Mosambik nun im zweiten Jahr in Folge eine Rekordflut.

TANSANIA

Erfolge in Afrika – in Tansania sind einige davon zu besichtigen. Nicht nur, dass der frühere Präsident Benjamin Mkapa 2005 nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl antrat und seine Geschäfte friedlich an Jakaya Kikwete übergab. Kikwete übernahm vor wenigen Tagen den Vorsitz der Afrikanischen Union und feuerte Ende der Woche seine Regierung, nachdem sein Premierminister Edward Lowassa und zwei Minister wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetreten waren. Dass in Afrika ein Minister aus diesem Grund zurücktritt, war so etwas wie eine Premiere. Zudem entwickelt sich Tansania seit einigen Jahren sozial und wirtschaftlich zum Positiven. Nachdem 2001 die Schulgebühren für die Grundschulen abgeschafft worden sind, besuchen mehr als 90 Prozent der Kinder die Schule, nahezu die Hälfte sind Mädchen.

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