Afrika : Machtkampf in der Elfenbeinküste vor Entscheidung

Die blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste steht offensichtlich vor der Entscheidung. In der Metropole Abidjan treiben Anhänger von Präsident Ouattara Wahlverlierer Gbagbo immer mehr in die Enge.

Bei den Kämpfen in der Elfenbeinküste sind bereits mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen.
Bei den Kämpfen in der Elfenbeinküste sind bereits mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen.Foto: AFP

Der monatelange Machtkampf in dem westafrikanischen Staat Elfenbeinküste steht offenbar vor einer Entscheidung. Truppen des im November gewählten Präsidenten Alassane Ouattara hätten in der Wirtschaftsmetropole Abidjan die Residenz des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo angegriffen, sagte ein Sprecher Ouattaras dem US-Nachrichtensender CNN am Freitagmorgen. Das staatliche Fernsehen sei unter Kontrolle. Ouattaras Sprecher Patrick Achi sagte CNN, es werde nur noch „Stunden vielleicht Tage“ dauern, bis Gbagbo stürzen wird. Die Armee will nicht für Gbagbo kämpfen.

Alain Leroy von der UN-Mission in der Elfenbeinküste (UNOCI) sagte dem französischen Fernsehsender France 24, seiner Einschätzung nach hätten die meisten Sicherheitskräfte Gbagbo im Stich gelassen. Der Chef der UNOCI, Choi Young Jin , sagte dem Sender France Info, Gbagbo könne nur noch auf die Republikanische Garde und seine Spezialeinheiten zählen. 50 000 Polizisten und Gendarmen seien desertiert. Gbagbo weigert sich trotz Wahlniederlage im November 2010, die Macht dem international anerkannten Wahlsieger Ouattara zu übergeben. Gbagbo geht dabei seit Monaten mit Waffengewalt gegen seine Widersacher vor und attackiert auch immer wieder die mittlerweile etwa 10 000 UN-Friedenssoldaten im Land.

Angst in Abidjan. In der Wirtschaftsmetropole warten Ausländer darauf, in ihre Heimatländer zurückkehren zu können. Nach UN-Angaben sind in der Elfenbeinküste fast eine Million Menschen auf der Flucht.
Angst in Abidjan. In der Wirtschaftsmetropole warten Ausländer darauf, in ihre Heimatländer zurückkehren zu können. Nach...Foto: Reuters

Ungeachtet des Vormarsches der Truppen Ouattaras ließ Gbagbo am Donnerstagabend ein Ultimatum verstreichen. Gbagbos Vertrauter Alain Toussaint sagte France 24, Gbagbo werde nicht zurücktreten und sich auch nicht einigen Rebellen ergeben. Der Ministerpräsident Ouattaras, Guillaume Soro, sagte dem Sender, dem abgewählten Präsidenten sei ein Ultimatum für seinen Rückzug bis 21.00 Uhr am Donnerstagabend gestellt worden.

Ouattaras Anhänger hatten zuvor den weltweit größten Kakao-Exporthafen San Pedro eingenommen. Die Regierung Ouattaras ordnete die Schließung aller Land-, Luft- und Seegrenzen des Landes an, wie CNN berichtete. Außerdem wurde eine nächtliche Ausgangssperre über Abidjan verhängt. Die Truppen des von der internationalen Staatengemeinschaft unterstützten Ouattara haben bereits die Hauptstadt Yamoussoukro eingenommen. Die im Land stationierten UN-Truppen übernahmen die Kontrolle über den Flughafen Abidjans, der größten Stadt des Landes.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte vor einer „humanitären Katastrophe“ in Abidjan. „Die Konfliktparteien müssen sofort damit aufhören, die Zivilbevölkerung ins Visier zu nehmen“, forderte die Organisation. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben die Kämpfe zwischen den Anhängern von Gbagbo und Ouattara bisher etwa 500 Todesopfer gefordert. Etwa eine Million Menschen seien auf der Flucht. (dpa)

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