Afrika : Madagassische Armee stürmt Amtssitz des Präsidenten

In Madagaskar gerät Staatschef Marc Ravalomanana immer weiter in Bedrängnis. Die Armee des Landes stellte sich nun hinter Oppositionsführer Andry Rajoelina, der seinen Widersacher umgehend festnehmen lassen will.

Madagaskar
Soldaten der Armee im Amtssitz des Präsidenten. -Foto: dpa

Die madagassische Armee hat im Machtkampf zwischen Oppositionsführer Andry Rajoelina und Staatschef Marc Ravalomanana klar Stellung gegen den Präsidenten bezogen. "Wir haben seinen Amtssitz gestürmt, um den Abgang von Ravalomanana zu beschleunigen", sagte der neue Generalstabschef André Andriarijaona am Abend. Rajoelina hatte zuvor die Sicherheitskräfte aufgefordert, Ravalomanana unverzüglich festzunehmen.

Der Abgang Ravalomananas sei "im Interesse der Nation", sagte Generalstabschef Andriarijaona. Zuvor waren am Dienstsitz des Präsidenten in der Hauptstadt Antananarivo Schüsse und Explosionen zu hören, als rund hundert Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen in den Gebäudekomplex eindrangen. Auf die Frage, ob die Armee auch den zwölf Kilometer entfernten Präsidentenpalast stürmen werde, in den sich Ravalomanana zuvor geflüchtet hatte, sagte Andriarijaona: "Wir sind gegen Blutvergießen und werden dort nicht hingehen, solange wir nicht wissen, wie sich die Präsidentengarde verhält."

Ravalomanana lehnt Rücktritts-Ultimatum ab

Rajoelina sagte vor tausenden Anhängern in Antananarivo, die Sicherheitskräfte seien aufgefordert, den seit 2002 regierenden Ravalomanana "ohne Aufschub" wegen Hochverrats festzunehmen. Die Justizministerin der von ihm eingesetzten Übergangsregierung, Christine Razanamahasoa, habe bereits einen entsprechenden Befehl erteilt.

Rajoelina lehnte Ravalomananas Vorschlag ab, notfalls per Volksabstimmung über seinen Verbleib im Amt entscheiden zu lassen. Ein solches Referendum werde es nicht geben, die Übergangsregierung werde eingesetzt, sagte der 34-jährige Oppositionschef. "Präsident Ravalomanana ist nicht mehr in der Lage, das Land zu führen", fügte er hinzu. Rajoelina hatte Ravalomanana am Samstag ein Ultimatum von wenigen Stunden für seinen Rücktritt gestellt, der Präsident lehnte dies jedoch ab.

EU will Rajoelina nicht anerkennen

Die Afrikanische Union richtete am Montag einen Appell an die Opposition und die Armee in Madagaskar, auf jegliche widerrechtliche Machtübernahme zu verzichten. "Wenn die Opposition die Macht ergreifen will, ohne die rechtlichen und verfassungsgemäßen Verpflichtungen zu erfüllen, wird das ein Staatsstreich und wir werden das verurteilen", sagte der amtierende Präsident des AU-Rats für Frieden und Sicherheit, Benins AU-Botschafter Eduard Aho-Glélé, nach einer fünfstündigen Sitzung in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Ähnlich äußerten sich die EU-Außenminister. Die EU werde einen neuen Staatschef nicht anerkennen, der mit Militärgewalt eingesetzt werde, sagte der amtierende Ratspräsident Karel Schwarzenberg.

Rajoelina und Ravalomanana liefern sich seit Mitte Dezember einen Machtkampf, bei dem mehr als hundert Menschen ums Leben kamen. Rajoelina wirft der Regierung vor, die Schätze des Landes an ausländische Firmen zu verschleudern. (jvo/AFP)

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