Afrika : Nigeria schiebt Taylor ab

Nach seiner versuchten Flucht aus dem Exil in Nigeria ist der wegen Kriegsverbrechen gesuchte Ex-Präsident von Liberia, Charles Taylor, festgenommen und in seine Heimat abgeschoben worden.

Monrovia/Abuja - Eine nigerianische Präsidentenmaschine brachte ihn in die liberianische Hauptstadt Monrovia, von wo aus er an das UN-gestützte Sondertribunal für Sierra Leone überstellt werden sollte. Taylor (58) muss sich in 17 Anklagepunkten wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, als liberianischer Präsident (1997-2003) die für ihre Grausamkeiten berüchtigte Rebellenbewegung RUF im Nachbarland unterstützt zu haben.

Nach einem Auslieferungsbegehren der neuen liberianischen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf war Taylor am Wochenende in Nigeria, wo er seit 2003 im Exil lebte, untergetaucht. Er habe versucht, am frühen Morgen in einem goldfarbenen Geländewagen mit Diplomatenkennzeichen die Grenze nach Kamerun zu überqueren, berichtete Mohamed Bello, ein Einwanderungsbeamter in der Stadt Maiduguri. Bei seiner Festnahme soll Taylor zwei große Taschen mit Bargeld bei sich gehabt haben. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo, der noch am Mittwoch mit US-Präsident George W. Bush in Washington zusammenkommen wollte, ordnete die sofortige Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers an.

Gefahr für die ganze Region

Viele Liberianer reagierten erleichtert auf die Festnahme Taylors. «Ich bin froh, dass er festgenommen wurde. Er wäre nicht nur eine Gefahr für Liberia gewesen, sondern für die ganze Region», sagte Henry Ngoloe, ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in Monrovia.

Der Weltsicherheitsrat in New York hatte sich am Dienstag «besorgt» über Taylors Verschwinden aus seiner bewachten Villa in der nigerianischen Küstenstadt Kalabar geäußert. Die USA hatten von Nigeria Auskunft über den Verbleib Taylors verlangt und die Forderung bekräftigt, ihn der Justiz zu übergeben.

Taylor soll unter anderem die Rebellenbewegung RUF in Sierra Leone unterstützt und mit Waffen versorgt haben, die dafür bekannt war, ihren Opfern beide Arme abzuschlagen oder die Lippen abzuschneiden. Die Rebellen wollten durch Terror ganze Landstriche entvölkern, in denen Diamantenvorkommen vermutet wurden. Taylor soll sich am illegalen Handel mit so genannten Blutdiamanten massiv bereichert haben.

Taylor lebte seit 2003 mit etwa 70 Verwandten und Getreuen im nigerianischen Exil. Sein Rückzug ins Exil ermöglichte damals das Ende des 14 Jahre dauernden Bürgerkriegs in Liberia. (tso/dpa)

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