Afrika-Reise : Merkel besucht Liberia

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zum Abschluss ihrer Afrika-Reise zu einem Kurzbesuch in Liberia eingetroffen. Dort wurde sie von Liberias Staatspräsidentin mit einem ungewöhnlichen Begrüßungsgeschenk überrascht.

Ulrich Scharlack[dpa]
Merkel Henne
Angela Merkel, Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf und das Huhn. -Foto: AFP

MonroviaNach Äthiopien und Südafrika waren als dritte und Abschlussstation der ersten großen Afrika-Reise der Kanzlerin durchaus mehrere Länder in Frage gekommen. Ghana zum Beispiel, das sich unter Präsident John Kofour in den vergangenen Jahren an die Spitze der reformorientierten Staaten in Afrika gesetzt hat. Aber dennoch hatte sich Angela Merkel recht rasch entschieden: Die Frau Bundeskanzler wollte letztlich die Frau Präsidentin unterstützen. Und so machten Angela Merkel und ihr Tross am Nachmittag für sechs Stunden einen Stopp in Liberia, um der seit nicht einmal zwei Jahren im Amt befindlichen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf ein Signal weiblicher Solidarität zu geben.

Die Präsidentin überraschte Merkel bei der Begrüßung mit einem traditionellen Geschenk, das die Verbundenheit mit dem Gast ausdrücken soll: einem lebenden weißen Huhn. Merkel ist der erste deutsche Regierungschef, der Liberia besucht.  Dass Liberias Hauptstadt Malaria-Gebiet und die Sicherheitslage nicht besonders gut ist, nahm Merkel in Kauf. Die Kanzlerin schmierte sich mit Mückenschutz ein. Das Bundeskriminalamt stockte die Zahl der begleitenden Sicherheitsbeamten ein wenig auf. Nur über Nacht sollten die Deutschen nicht in der Hauptstadt bleiben, wurde ihnen signalisiert. Nach den Jahren des Bürgerkriegs können Liberias Staatsautoritäten nicht ganz von sich behaupten, die Lage voll im Griff zu haben, obwohl in dem Land eine große UN-Schutztruppe für Stabilität sorgt.

Präsidentin mit bewegter Biografie

Merkel schätzt die 68-jährige Johnson-Sirleaf, die in Havard studiert und eine bewegte politische Karriere hinter sich hat. Die Mutter von vier Kindern war schon Finanzministerin, musste dann nach dem Militärputsch ins Ausland gehen und arbeitete bei der Weltbank. Merkel und auch der mitreisenden Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat besonders imponiert, dass sie sich 2005 bei den Präsidentschaftswahlen gegen den populärsten Fußballspieler des Landes durchgesetzt hat.

Als Geste der Unterstützung hatte zuvor Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul die deutsche Entwicklungshilfe für das westafrikanische Land in diesem Jahr um weitere vier Millionen auf insgesamt 18,4 Millionen Euro aufgestockt. Deutschland stellt zusätzlich 300.000 Moskitonetze zur Verfügung, die bei der Eindämmung der Malaria in Liberia helfen sollen. Wieczorek-Zeul zog eine positive Bilanz der Kanzlerreise nach Afrika. Deutschland hätte auch nach dem G-8-Gipfel im Juli gezeigt, wie wichtig ihm der Kontinent ist. "Heiligendamm war keine Eintagsfliege".

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