Afrika : USA unterstützen Präsidentin Liberias

Elf Tage lang ist die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton durch fünf wichtige afrikanische Länder gereist. Am Donnerstag erreichte sie eines von zwei weniger wichtigen: Liberia. Dort traf sie mit der bedrängten Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf zusammen.

Dagmar Dehmer
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Beistand. US-Außenministerin Hillary Clinton mit der liberianischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf vor der Presse. -Foto: dpa

Berlin - Elf Tage lang ist die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton durch fünf wichtige afrikanische Länder gereist. Am Donnerstag erreichte sie eines von zwei weniger wichtigen: Liberia. Dort traf sie mit der bedrängten Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf zusammen. Am Freitag wird Clintons Reise in Kap Verde enden. Aber warum besucht sie überhaupt Liberia und Kap Verde?

Für Kap Verde ist die Antwort relativ einfach. Die Insel wird seit einigen Jahren einigermaßen gut regiert, und die amerikanische Millennium Challenge Corporation, eine Art Entwicklungshilfefirma mit strengen wirtschaftspolitischen Kriterien, hat in Kap Verde offenbar erfolgreich investiert. Bei Liberia liegt der Fall komplizierter. Das Land ist den USA schon allein deshalb eng verbunden, weil es vor fast genau 162 Jahren von in den USA freigelassenen und entflohenen Sklaven gegründet worden ist. Zwischen 1989 und 2003 tobte in dem kleinen westafrikanischen Küstenland ein barbarischer Bürgerkrieg, in dem rund 250 000 Menschen starben. Liberia hat nur drei bis vier Millionen Einwohner. 2005 wurde Ellen Johnson Sirleaf, die in Harvard studiert hat und vorher bei der Weltbank gearbeitet hat, zur Präsidentin gewählt.

Johnson Sirleaf ist der Liebling der Geberländer. Ihr Armutsbekämpfungsprogramm hat sie in hunderten Dorfversammlungen mit reger Beteiligung der Bevölkerung formulieren lassen. Sie hat der Korruption den Kampf angesagt und gilt auch selbst nicht als korrupt, was man allerdings von ihrer Regierung nicht ohne weiteres sagen kann. Doch zumindest hält der Frieden, der 2003 nach dem Sturz des früheren Präsidenten Charles Taylor geschlossen worden ist. Und die Präsidentin kann auch auf eine Reihe von echten Erfolgen verweisen.

Doch seit Anfang Juli hat Johnson Sirleaf ein Problem. Die Wahrheitskommission, die sie selbst 2006 eingesetzt hatte, hat nach drei Jahren Arbeit und 20 000 Zeugenaussagen ihren 327 Seiten langen Abschlussbericht vorgelegt. In diesem Bericht taucht Johnson Sirleaf als eine von 54 Personen auf, die für 30 Jahre von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden sollen. Die Präsidentin hat vor der Wahrheitskommission ausgesagt, dass sie die Rebellenbewegung von Charles Taylor zunächst unterstützt habe. 10 000 Dollar habe sie ihm gegeben, als er gegen den Diktator Samuel Doe kämpfte. Als sie nach einem Besuch im Dschungel bei Taylor dessen wahres Gesicht erkannt habe, habe sie mit ihm gebrochen, sagte die Präsidentin. Das reichte der Wahrheitkommission offenbar nicht als Entschuldigung an das Volk, weshalb sie Johnson Sirleaf auf die besagte Liste setzte.

Diese Entscheidung hat vor allem außerhalb Liberias einiges Unverständnis ausgelöst. Der südafrikanische Bischof und Vorsitzende der dortigen Wahrheitskommission, Desmond Tutu, schrieb nach Informationen der liberianischen Zeitung „The Analyst“ an die Präsidentin, dass der Vorschlag der Kommission, „ihr Land wieder ins Chaos zurückstoßen könnte“. Hillary Clinton scheint diese Auffassung zu teilen. Ihr Besuch ist auch eine Solidaritätserklärung mit der ersten Präsidentin des Kontinents.

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