Afrika : Wahlen in Sierra Leone als Gradmesser

Am Wochenende wird in Sierra Leone gewählt. Ein Test für die junge Demokratie, die nach einem blutigen Bürgerkrieg langsam zur Ruhe kommt. Die Wahlkommmission urteilt: Die Wahlen "werden das Land retten oder zerbrechen".

Susan Njanji[AFP]

FreetownIn Sierra Leone stehen am Samstag Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an, die von unabhängigen Beobachtern als der entscheidende Test für die Demokratie in dem westafrikanischen Land gesehen werden. Es ist erst der zweite Urnengang nach dem Ende des verheerenden Bürgerkrieges in Sierra Leone, bei dem von 1991 bis 2001 nach Schätzungen der Vereinten Nationen 120.000 Menschen getötet wurden.

Die Wahl soll nach der Hoffnung der 5,5 Millionen Einwohner den Frieden festigen. Besonders spannend ist dabei die Wahl des Präsidenten, weil Amtsinhaber Ahmad Tejan Kabbah laut Gesetz nicht wieder antreten kann. "Das ist der Lackmustest, wo Sierra Leone in Fragen Demokratie steht", sagt der internationale Beobachter Ibrahim Kargbo. Auch die Chefin der Wahlkommission, Christiana Thorpe, misst dem Urnengang besondere Bedeutung zu. Die Wahlen "werden das Land retten oder zerbrechen". An die zweite Möglichkeit mag Victor Angelo von der UN-Mission Uniosil gar nicht erst denken. "Es gibt keine andere Option als eine erfolgreiche Wahl. Ich hoffe, dass wirklich jeder hier versteht, dass das nicht schief gehen darf."

Wahlkampf als Sicherheitsrisiko

Beunruhigt schauen die Beobachter vor allem auf die Sicherheitskräfte im Land. Im Laufe des langen Wahlkampfes war der Polizei immer mal wieder vorgeworfen worden, Partei für die regierende Sierra Leone People's Party (SLPP) ergriffen zu haben. Diese Vorwürfe wurden von der Polizeiführung zurückgewiesen, sie versprach hoch und heilig, unparteiisch zu bleiben. Insgesamt bewerben sich 566 Kandidaten um die 112 Sitze im Parlament, in dem zwölf Sitze für die einflussreichsten Stammesfürsten des Landes reserviert sind.

Präsidentschaftskandidaten gibt es insgesamt sieben, wobei nur dreien von ihnen wirklich Chancen ausgerechnet werden: Für die SLPP tritt der derzeitige Vize-Präsident Solomon Berewa an. Die oppositionelle All People's Congress Party (APC) schickt Ernest Koroma ins Rennen. Und dann gibt es noch den unberechenbaren SLPP-Dissidenten Charles Margai, der mit der Peoples' Movement for Democratic Change (PMDC) eine eigene Partei gründete. Wer auch immer am Ende das Rennen macht: Die Menschen in Sierra Leone erwarten vom neuen Präsidenten, dass er den Frieden bewahrt und sie endlich aus der Armut führt.

Eines der ärmsten Länder der Welt

Obwohl das Land an Afrikas Westküste reich an Bodenschätzen ist - vor allem Diamanten - ist es eines der ärmsten der Welt. Die Arbeitslosigkeit beträgt über 70 Prozent, die Kindersterblichkeit ist unvorstellbar hoch, sauberes Wasser und Strom sind Mangelware. "Es ist so, als ob wir nur durch Magie überleben hier in Sierra Leone", sagt der 38-jährige Mohamed Turay. "Ich bin arbeitslos, habe drei Kinder - aber irgendwie schaffen wir es." (mit AFP)

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