Afrikanische Union : Südafrika gewinnt den Machtkampf um den Chefposten

Südafrikas Innenministerin Nkoszana Dlamini-Zuma wird Chefin der Afrikanischen Union – die Ex-Frau des Präsidenten Zuma gilt als stark und erfahren.

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Am Gipfel. Nkosazana Dlamini-Zuma, die neue Chefin der Afrikanischen Union.
Am Gipfel. Nkosazana Dlamini-Zuma, die neue Chefin der Afrikanischen Union.Foto: dpa

Kapstadt - Seit Sonntagabend steht erstmals eine Frau an der Spitze der Afrikanischen Union (AU): Die südafrikanische Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma konnte sich in Addis Abeba im vierten Wahlgang gegen ihren Vorgänger Jean Ping aus Gabun durchsetzen. Damit ist ein Machtkampf entschieden, der die Handlungsfähigkeit der AU seit dem Wahlgang Anfang des Jahres, der mit einem Patt geendet hatte, empfindlich störte.

Dlamini-Zuma (63) gilt in Südafrika als echtes „Kaliber“, als tatkräftige und erfahrene Politikerin mit der gestrengen Ausstrahlung einer Veteranin. Sie leitet nun eine Organisation mit 54 Mitgliedstaaten, die seit dem Tod ihres wichtigsten Geldgebers Muammar al Gaddafi nicht nur finanzielle Probleme hat.

Als ältestes von acht Geschwistern wuchs Dlamini-Zuma in der Provinz Natal auf. 1971 schrieb sie sich für Zoologie und Botanik an der Universität von Zululand ein und entschied sich, Mitglied des ANC zu werden. Einer ihrer Studienkollegen war die Leitfigur der Black-Consciousness-Bewegung, Steve Biko. Während ihres anschließenden Medizinstudiums ließ sie sich als Vizepräsidentin des südafrikanischen Studentenbundes wählen. Ihr Engagement erregte bald darauf das Misstrauen der Apartheid-Regierung: 1976, dem Jahr des blutig niedergeschlagenen Soweto-Aufstandes, musste sie ins Exil fliehen. Ihr Medizinstudium beendete sie zwei Jahre später in Bristol.

Ihren späteren Ehemann, den heutigen Präsidenten Jacob Zuma, lernte Dlamini-Zuma 1982 bei der Arbeit in einem Krankenhaus in Swaziland kennen. Bald darauf wurde sie seine dritte Frau. 1985 ging sie erneut nach Großbritannien, wo sie ein Aufbaustudium in Tropenmedizin absolvierte und, wie viele ANC-Aktivisten, aus der Ferne den Kampf gegen die Apartheid mitorganisierte. Dlamini- Zuma ist Mutter von vier Kindern; die Ehe mit Zuma wurde 1998 geschieden. Erst im April hatte der Polygamist Zuma zum sechsten Mal geheiratet. Er selbst bekennt sich als Vater von 20 Kindern, folgt man anderen Zählweisen, sind es mehr.

Dlamini-Zumas politische Laufbahn begann mit den ersten freien Wahlen in Südafrika: 1994 ernannte Nelson Mandela Dlamini-Zuma zur Gesundheitsministerin. Ihre Aufgabe war es, Kindern Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung zu ermöglichen, außerdem setzte sie das Rauchverbot in der Öffentlichkeit durch. In die Kritik geriet sie, als sie auf ein umstrittenes Anti-Aids-Medikament setzte, das sich später als wirkungslos erwies. Außerdem versenkte sie große Teile ihres Etats in ein Aids-Aufklärungs-Musical, was ihr den Spott der Medien eintrug.

Von 1999 an amtierte sie zehn Jahre lang als Außenministerin. Als der frühere Präsident Thabo Mbeki seinen Stellvertreter Jacob Zuma entließ und ihr dessen Aufgabe übertragen wollte, lehnte sie ab. Seit 2009 ist sie Innenministerin im Kabinett ihres Ex-Mannes.

Mit Dlamini-Zumas Wahl zur Präsidentin der Afrikanischen Union erhält Südafrika als wirtschaftlich erfolgreichstes Land des Kontinents nun auch international größeres Gewicht, was von Experten als weiterer Meilenstein auf dem Weg zum heiß begehrten permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat gewertet wird. Doch die Probleme liegen zunächst vor der eigenen Haustür: der Konflikt zwischen dem Sudan und Südsudan und die Machtergreifung radikaler Islamisten im Norden Malis. Vor der Wahl hatte Dlamini-Zuma versprochen, die AU „effektiver“ zu machen. Esther Kogelboom

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