Politik : Agrarkrise in Europa: Paris unterstützt Künast

Dagmar Dehmer

Deutschland und Frankreich ziehen bei der Agrarwende an einem Strang. Das haben Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) und der französische Landwirtschaftsminister Jean Glavany am Montag abend in Berlin dokumentiert. Bei einer deutsch-französischen Talkrunde, die Brigitte Sauzay, Kanzlerberaterin für die deutsch-französischen Beziehungen, organisiert hatte, bewiesen die beiden Minister eine hohe Übereinstimmung bei konkreten Reformvorhaben. Allerdings sind die beiden bei der Höhe künftiger Agrarsubventionen grundsätzlich unterschiedlicher Auffassung.

Jean Glavany stellte zwar klar, dass er keine Möglichkeit sieht, den Finanzrahmen der EU-Landwirtschaftspolitik vor dem Auslaufen der Agenda 2000 im Jahr 2006 wesentlich zu verändern. Doch innerhalb dieses Rahmens gebe es "eine große Handlungsfreiheit". Mit der Bewältigung der BSE-Krise oder den Folgen der Maul- und Klauenseuche "dürfen wir nicht bis 2006 warten", sagte Glavany. Renate Künast sieht die Einigkeit zwischen den beiden Ländern vor allem bei Fragen der Lebensmittel-Sicherheit und der Qualität. "Die Verbraucher haben ähnliche Bedürfnisse", sagte Künast.

Die sonst eher ungeduldige deutsche Landwirtschaftsministerin bekundete sogar Sympathie für das französische "Evolutionsmodell" bei der Agrarreform. "Schließlich hat die Evolution auch dazu geführt, dass die Dinosaurier verschwunden sind", meinte sie. Ihr französischer Kollege sagte sogar: "Wir brauchen einen neuen Vertrag zwischen der EU und den Landwirten." Ziel sei, von der Massenproduktion abzurücken und mehr Qualität zu erzeugen.

Bei den Agrarsubventionen sind Künast und Glavany jedoch weiterhin uneins. "Wir werden die Landwirtschaft auch in Zukunft subventionieren müssen. Ich bin kein Liberaler in diesem Sinne." Renate Künast dagegen hält das Subventionssystem prinzipiell für falsch. Doch bis dies entschieden werden muss, werden Glavany und Künast im EU-Agrarministerrat gemeinsam um die Unterstützung ihrer Kollegen für die Agrarwende werben.

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