Politik : Agrarpolitik: In grünem Leder zum grünen Prinzen

Hendrik Bebber

Mit ihrem schicken grünledernen Hosenanzug erinnerte die deutsche Verbraucherministerin Renate Künast die britischen Zuhörer an einen agronomischen Robin Hood, als sie bei ihrem Besuch in London ausrief: "Ich kämpfe für eine neue Landwirtschaft! Eine Landwirtschaft, hinter der endlich wieder Menschen stehen!" Mit ihrer Botschaft "Qualität statt Quantität" rannte sie im Mutterland der BSE- und MKS-Katastrophen offene Türen ein: Ihre Amtskollegin Margaret Beckett bestätigte Künast am Mittwoch, dass Verbraucherschutz, Produktinformation, Sicherheit und Qualität der Nahrungsmittel im Königreich die höchste Priorität genießen.

Während des Frühstücks in der deutschen Botschaft mit Müsli, Fruchtsalat und Vollkorntoast fühlte sich die Ministerin bei den Fragen der britischen Fachpresse wie bei "einem Englischexamen", das sie freilich glänzend bestand. Nur einmal versank sie in tiefes Nachdenken, als sie gefragt wurde, was die Bauernverbände von den Reformen halten: "Minister sind nicht in erster Linie dazu da, geliebt zu werden, sondern sie müssen die Zukunft gestalten."

Für ihre Zukunftspläne für die Reform der EU-Agrarpolitik sucht Künast in Großbritannien einen Alliierten. Interessant ist für sie vor allem das britische System der Landwirtschaftssubventionen, bei dem die direkten Zuwendungen an Betriebe zugunsten allgemeiner Verbesserungen der ländlichen Infrastruktur gekürzt werden. Ihren britischen Zuhörern stellte Künast einen Versuch vor, das verworrene System der Tierhaltungsprämien durch eine "Weideprämie" zu vereinfachen. Dies würde vor allem die Rolle der Bauern als Landschaftsschützer belohnen.

Bei Prinz Charles, der sie am Mittwoch zum Abschluss ihres Großbritannien-Besuches über sein organisches Landgut führte, dürfte Künast viel Interesse für ihren Plan geweckt haben, eine "multifunktionale Landwirtschaft" aufzubauen, bei der in zehn Jahren ein Fünftel der Erzeuger voll und ganz organische Methoden anwenden. "Er gilt seit Jahrzehnten als Pionier der organischen Landwirtschaft", freute sich Künast, "und wir können aus seiner Erfahrung sicher viel lernen."

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