Agrarsubventionen : Klimafaktor Landwirtschaft

Nach einer Studie entstehen durch Bewirtschaftung von Böden und Tierhaltung 13 Prozent der deutschen Treibhausgase. Umweltminister Sigmar Gabriel will die Agrarsubventionen an die Umweltverträglichkeit des Ausstoßes koppeln.

Dagmar Dehmer
Kuh
Umweltbelastung Kuh: Die Tiere produzieren Methan -Foto: dpa

Berlin - Bisher spielt die Landwirtschaft im Klimaprogramm der Bundesregierung keine Rolle. Den Bauern wird bisher kein Beitrag zum Klimaschutz abverlangt. Damit ist Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nicht zufrieden. Am Wochenende wurde ein Thesenpapier des Ministers bekannt, das er im Oktober bei einem Innovationskongress zur Debatte stellen will. Darin heißt es nach Informationen der Nachrichtenagentur AP, dass die 40 Milliarden Euro Subventionen pro Jahr für die europäischen Bauern nur dann noch zu rechtfertigen seien, wenn das Geld nicht dem Klima schade. Agrarminister Horst Seehofer (CSU) bügelte diese Forderung umgehend ab: „Das Papier ist mir weder bekannt noch halte ich viel davon.“

Nun hat die Verbraucherorganisation Foodwatch Gabriel zusätzliche Argumente geliefert. Im Auftrag von Foodwatch untersuchte das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), wie stark die Landwirtschaft in Deutschland zum Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase beiträgt, und welche Möglichkeiten es gibt, die Emissionen zu reduzieren. Der Anteil der Landwirtschaft am Treibhausgasausstoß Deutschlands liegt demnach bei 13 Prozent. Im Jahr 2006 entsprach das 133 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2). Das ist mehr, als durch die Heizung sämtlicher privaten Haushalte freigesetzt wird (113 Millionen Tonnen CO2) und nicht viel weniger als der Verkehr emittiert (152 Millionen Tonnen CO2).

Zwar ist auch in der Landwirtschaft Kohlendioxid mit 42 Prozent das wichtigste Treibhausgas, doch gleich danach folgt Lachgas, das einen Anteil von 41 Prozent hat und Methan mit 17 Prozent. Beide Treibhausgase haben eine vielfach schädlichere Wirkung auf die Atmosphäre als CO2. Um sie besser bewerten zu können werden sie in CO2-Äquvalente umgerechnet. Das meiste Lachgas entsteht auf bewirtschafteten Moorflächen. Ackerbau und Grünlandwirtschaft im Moor machen 28 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgase aus. Dabei sind nur acht Prozent der bewirtschafteten Flächen Moore. Deshalb ist für Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtierstiftung, die die Studie mitbezahlt hat, der Schutz der Moore der effizienteste Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz.

Der zweitgrößte Klimafaktor ist die Rinderhaltung mit 16 Prozent. Um ein Kilo Rindfleisch konventionell herzustellen, fallen zwischen 8,4 und 16,8 Kilogramm CO2 an. Öko-Rindfleisch bringt es auf 13,5 bis 16,3 Kilogramm CO2. Thomas Korbun erklärt diese schlechte Klimabilanz damit, dass Ochsen im Öko-Landbau wesentlich langsamer wachsen und noch dazu in Einstreuställen stehen. „Gut für den Tierschutz, aber schlecht fürs Klima“, meint er. Bullen, die auf Spaltenböden gehalten werden, schneiden deshalb in der Klimabilanz zumindest nicht schlechter ab, obwohl für ihr Futter große Mengen Mineraldünger eingesetzt werden. Die Klimabilanz von Schweinefleisch und Geflügel sieht besser aus.

Mineraldünger sind der größte Klimafaktor in der konventionellen Landwirtschaft. Würden die Treibhausgasemissionen einbezogen, die durch den Import von Futtermitteln enstehen – etwa Soja auf früheren Regenwaldflächen –, sähe die Bilanz noch schlechter aus.

Das Argument des Deutschen Bauernverbands (DBV), der behauptet, die Klimabilanz der Land- und Forstwirtschaft sei positiv, denn es würden jährlich 168 Millionen Tonnen CO2 in Pflanzen gebunden, findet Korbun „durchsichtig“. Das gelte für den Wald, aber nicht für die Landwirtschaft, in der Pflanzen schon nach wenigen Wochen geerntet werden. Da hilft es auch nicht, wenn der Bauernverband darauf hinweist, dass eine Milchkuh täglich rund 400 Gramm Methan erzeugt, eine Elefant aber 2,4 Kilo. Schließlich gibt es Millionen Milchkühe in Deutschland, aber nur wenige Elefanten.

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