Politik : Agrarwende: Bio-Fleisch so gut wie ausverkauft

Bio-Fleisch wird knapp. In Folge der BSE-Krise sei die Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln bundesweit drastisch gestiegen, berichtete die "Bild"-Zeitung am Freitag unter Berufung auf Angaben des Bioland-Verbands, mit rund 3700 Erzeugern nach eigenen Angaben größter ökologischer Anbauverband. Bioland-Sprecher Ralf Alsfeld sagte: "Das Angebot von Schweinefleisch geht dem Ende zu, auch Rindfleisch geht zur Neige. Geflügel ist schon seit einiger Zeit nicht in ausreichendem Maß vorhanden." Auch Eier und Milch seien nicht mehr überall zu bekommen. "Wir suchen händeringend Bauern, die ihre Produktion umstellen, aber das dauert eben seine Zeit", so Alsfeld. Rinder und Schweine werden in Öko-Betrieben deutlich länger gefüttert als auf konventionellen Höfen.

Besonders ökologisch erzeugtes Schweinefleisch ist nach Angaben von Thomas Sonntag vom Anbauverband Naturland derzeit Mangelware. "Schweine könnten wir doppelt und dreifach verkaufen, die Nachfrage ist explodiert", sagte Sonntag der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Viele Öko-Betriebe weiteten ihre Schweinemast aus, so dass im Herbst das Angebot wesentlich größer sein werde. Anders als bei Bioland verkauften sich die Öko-Rinder von Naturland nur schleppend.

Unterdessen dauert der Streit zwischen Bund und Ländern um die Folgekosten der BSE-Krise an. Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) forderte am Freitag im Norddeutschen Rundfunk erneut, dass der Bund die BSE-Folgekosten hauptsächlich übernehmen solle: "Wenn jetzt noch BSE dazu kommt, dann knallt uns der Haushalt auseinander." Auch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) forderte den Bund auf, sich bei der Bewältigung der Kosten stärker zu engagieren. Die von Künast propagierte Wende in der Landwirtschaft unterstütze er in vielen Punkten. Es müssten aber längere Übergangszeiten eingeplant werden.

Auch das Ausland wird langsam unruhig. China kündigte umfangreiche BSE-Tests bei importierten Rindern an, obwohl bislang kein Fall von Rinderwahn entdeckt wurde. Inspektoren sollen auch alle Tiere im Land überprüfen, die mit importiertem Knochen- oder Tiermehl gefüttert wurden, so die Zeitung "China Daily" am Freitag. Wie viele Rinder betroffen sind, wurde nicht bekannt.

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