Politik : Agrarwende: Briten sehen Chancen für gemeinsame Agrarpolitik

Ulrike Fokken

Das britische Landwirtschaftsministerium sieht gute Chancen, sich mit der deutschen Bundesregierung über eine künftige Landwirtschaftspolitik zu einigen. Das Wichtigste für die Briten sei, dass die Landwirte in Zukunft weniger Geld für die Masse der Produktion bekämen und mehr Unterstützung für die Art ihrer Produkte, sagte Brian Bender, Staatssekretär im britischen Landwirtschaftsministerium.

Bender war gestern nach Berlin gekommen, um die Staatssekretäre aus dem Landwirtschaftsministerium Martin Wille und Alexander Müller sowie Vertreter des Kanzleramts zu treffen und sich über die neue deutsche Linie in der Agrarpolitik zu informieren. Bender sagte, dass die Landwirtschaft sich in der Zukunft vor allem stärker am Markt orientieren müsste und dementsprechend die Subventionen sinken müssten. Die britische Regierung habe schon im vergangenen Jahr begonnen, über eine neue Form der Landwirtschaftspolitik nachzudenken. So habe sie unter anderem 2,5 Prozent des Agrarhaushalts für Umweltschutzauflagen umgewandelt und die Landwirte ermuntert, ihre Produkte organisch zu erzeugen.

Ideologisch vertraut Bender weiterhin auf die Landwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte. Daher sieht er sich nicht veranlasst für kürzere Tiertransporte einzutreten oder eine regionale Landwirtschaft zu werben. Solange die Tiertransporter ordentlich desinfiziert würden, sehe er keine Probleme. Tiertransporte quer durch Großbritannien sind nach bisherigen Erkenntnissen für den Ausbruch der Maul-und-Klauen-Seuche verantwortlich. Die Transporte und "der Handel mit Tieren auf mittelalterlichen Märkten" habe zu der Seuche geführt, sagte Bender.

Eine Kehrtwende in der Landwirtschaftspolitik seines Landes sieht Brian Bender nicht. Denn: "Ich weiß nicht, was der Konsument will." Viele Verbraucher wollten eben die billig erzeugten und dementsprechend günstig verkauften Nahrungsmittel, manch einer hingegen verlange Qualität und zahle dafür auch einen höheren Preis. Bender teile nicht die Einschätzung mancher Beobachter der EU-Agrarverhandlungen in Brüssel, dass Landwirtschaftsministerin Renate Künast in der Sitzung der vergangenen Woche abgeblitzt war. EU-Agrarkommissar Franz Fischler habe hingegen die Schwierigkeiten, denn er habe schließlich alle EU-Staaten gegen sich.

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