Politik : Agrarwende: "Die Art entscheidet"

Ulrike Fokken

Grünen-Chef Fritz Kuhn will bei der Agrarwende in Deutschland keine einseitige Ausrichtung auf kleine Betriebe. "Man kann die Landwirtschaft in Deutschland nicht über einen Kamm scheren", sagte Kuhn. Jede Region habe ihre besondere Art der Bewirtschaftung, die aus historischen Gründen gewachsen sei und in die entsprechende Landschaft passe. Er halte nichts davon, die Landwirtschaft zu idealisieren und nur die kleinen Bauernhöfe als zukunftsfähige Landwirtschaftsbetriebe darzustellen. "Es ist keine Frage von Groß oder Klein", betonte Kuhn. Es komme vielmehr darauf an, wie in den entsprechenden Größenordnungen produziert wird.

Am Freitag hat der Grünen-Chef einen landwirtschaftlichen Großbetrieb in Sachsen-Anhalt besucht. Das Agrarunternehmen Barnstädt bewirtschaftet 6000 Hektar und hält 850 Milchkühe, 3000 Mastrinder und 23 000 Schweine. Es ist mit 400 Arbeitnehmern der größte Arbeitgeber in der Region. Das Unternehmen pflanzt das Futter für die Tiere weitgehend selbst an. Nur rund zehn Prozent der ausschließlich pflanzlichen Nahrung kauft die Genossenschaft zu. Die Rinder werden tiergerecht in Ställen mit Stroh und Freilauffläche gehalten. Einige Schweine können sich auf Stroh frei bewegen. Da diese Art der Haltung jedoch rund 30 Prozent teurer ist als die sonst in Mastbetrieben üblichen Spaltenböden, müssen die meisten Schweine in Barnstädt ebenfalls auf Kunststoff stehen.

"Schweine sind Kapitalismus", sagt Ralf Hägele, Vorstandschef des Agrarunternehmens. Der Schweinepreis ist im Gegensatz zum Rinderpreis ausschließlich vom Markt abhängig und nach der BSE-Krise momentan hoch. Allerdings verlangt die Lebensmittelindustrie mageres Jungschwein, das in kurzer Zeit lukrativ nur auf nicht artgerechtem Spaltenboden gezüchtet werden kann. "Wenn der Markt es hergibt, stellen wir sofort um", sagte Hägele.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben